Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Es gibt sie noch: Männer mit Stumpen!

«Vom Tubak ond Rouch z’Böju» – Tabak-Dorfumgang

Text und Bild: Eing.

Am 4. Mai konnte in Böju eine Zeitreise auf Spuren des Tabaks durch das Dorf gemacht werden. Trotz schlechter Wetterprognose fanden sich gegen 100 Personen beim Chrosihus zum Start des Dorfumgangs ein.

Hannes Eichenberger, Co-Präsident des Vereins Zeitreisen Beinwil am See, schilderte bei der Begrüssung kurz die Entstehung der Zigarrenindustrie im Dorf vor bald 180 Jahren. Über 40 Fabriken waren im Lauf der Zeit aktiv, bis zu einem Drittel der Bevölkerung arbeitete im «Tabak». In zwei Gruppen aufgeteilt, ging es in Einerkolonne auf dem schmalen Halter-Fabrikwegli Richtung Dorfzentrum. Der Rundgang führte über verschiedene Stationen zu grösseren und kleineren Firmen wie Opal, «zur Blume», Forelle, Karoline Hintermann zum Rütli, den Halterfabriken an der Rankstrasse, Bäumli, sowie dem ehemaligen Kinderhort in der Vorstadt. Teilweise waren die Wege verschlungen; «Do beni jo no gar nie dore …», war doch einige Male zu hören.

Verschiedene Rednerinnen und Redner thematisierten auf lebendige Art die Geschichte der Firmen, sowie die Arbeit und Kinderbetreuung im 19. und 20. Jahrhundert. Das Ziel erreicht wurde in der Tabakfabrik Roth GmbH, der letzten in diesem Metier tätigen Firma in Beinwil. Hier konnte nicht nur echte Tabakluft geschnuppert werden, auch demonstrierte Muriel Romer als «Cigarrenmacherin» ihr Können. Die Audiostation mit dem Interview der zwei ehemaligen Arbeiterinnen Anita Morger und Susi Hintermann zum Thema «Leben im Tabakzeitalter», stiess bei zahlreichen Hörerinnen und Hörern auf reges Interesse. Bei einem feinen Zöbeli, organisiert vom Ortsbürgerverein und angeregten Gesprächen an runden Tischen, klang der gelungene Anlass aus.

Von 1841 (J. J. Eichenberger) bis 2007 (E3) wurde in Beinwil grosse Tabakgeschichte geschrieben. Zeitreisen Beinwil am See rüstet im Lauf des Jahres möglichst viele der noch existierenden Gebäude, in denen Raucherwaren produziert wurden, mit Schildern in Stumpenform aus. Darauf sind Firmengründer und Gründungsjahr verzeichnet. Eine Besonderheit, die «Fabrikwegli», verbanden die Dorfquartiere auf direktem Weg mit den Tabakmanufakturen. Soweit möglich, werden auch diese gekennzeichnet.