Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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«Himmel und Höll» in der Kirche Seengen

Text und Bild: Eing.

«Das Spiel, das heute wird gegeben, es ist ein Spiel um Tod und Leben. Ein Spiel um Macht, ein Spiel um dunkle Triebe – Doch über allem tönt das Lied von Licht und Liebe»

Anstelle der traditionellen Abendmusik mit Motetten und Kantaten lud der Kirchenchor Seengen am Gründonnerstag auf Initiative ihrer Chorleiterin, Christa Peyer, die Tösstaler Marionettenbühne zu einem ergreifenden Figurenspiel in Anlehnung an Gotthelfs «Schwarze Spinne» ein. Ein musikalisches und gesprochenes Werk, welches das Publikum erheiterte, betroffen machte und nachdenklich stimmte. Es ging in diesem Spiel mit lebensgrossen Marionetten, einem Erzähler und dem wunderbaren Chor, bei dem der Kirchenchor Seengen sowie der Singkreis Gränichen bei drei Liedern integriert waren, um Macht, Habgier, Tod und Wiedergeburt. Tröstlich, dass am Ende die Liebe und der Mut zu leben, siegten.

Die einzelnen Rollen von Schauspielern gesprochen, liehen den Holzfiguren ihre Stimme. Eindrücklich war vor allem «der Teufelsbraten» oder «Belzebub», der grosse Freiheiten genoss, die ganze Kirche als Bühne benutzte, seine Frechheiten und Schadenfreude sowie sein hämisches Lachen ungeniert zum Besten geben konnte. Das Publikum staunte, ob der sprachlichen und körperlichen Leistung des Schauspielers Simon Keller. Das Solo von Anke Steffan, mit einer wunderbaren Stimme vorgetragen, berührte die Zuhörer in seiner schlichten Art.

Bedrückend wiederum die armen Seelen, die jammernd keine Ruhe fanden. Die verschiedenen, aus Holz geschnitzten Köpfe in weiss machten einen unheimlichen Eindruck auf das Publikum.

Die Schauspieler sprachen verschiedene Rollen und die Regie passte, auch wenn die Bühne nicht riesig war. In seiner Eingangsrede erwähnte der Regisseur Werner Bühlmann, dass dies die 16. Aufführung des Stückes sei und wahrscheinlich auch die Dernière. Die Präsidentin des Kirchenchors Seengen, Yvonne Siegrist, dankte dem Ensemble für sein Auftreten in unserer Kirche und schon vorab gab es einen Sonderapplaus!

Während des Stückes verhielt sich das Publikum mäuschenstill, man hätte eine Nadel fallen hören. Man folgte mit Interesse dem Geschehen auf der Bühne, litt mit der armen jungen Mutter, die ihr Neugeborenes ungetauft dem Teufel abgeben musste.

Es war ein eindrückliches Passionsspiel, das die Zuschauer nicht so schnell vergessen werden.