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Urs Buchmann besitzt eine beeindruckende Kunstsammlung. Ausschnitt aus Dao Trung Luu (*1942), Vietnam, «Spring Dance».

Ein aussergewöhnliches Museum soll die Bevölkerung der Region und die Welt Asiens verbinden

Text und Bild: Patrick Tepper

Am 12. November wird über den Baurechtsvertrag und die Umzonung des Grundstückes für den Museumsbau der «Seven Seas Art Foundation» abgestimmt. Das geplante Museum nordwestlich der «Widematt» soll die beeindruckene Sammlung asiatischer und europäischer Kunst des passionierten Sammlers Urs Buchmann beheimaten. Vereine sollen die Räumlichkeiten nutzen dürfen und ein lebendiges Museum als Ergänzung des bestehenden Dorflebens wird angestrebt.

Eine Brücke zwischen der Region des Seetals und der Welt Asiens soll geschlagen werden. Die Finanzierung ist durch die «Seven Seas Art Foundation» sowie durch externe Sponsoren gesichert und das Kulturamt des Kantons Aargau beurteilt das Gesamtprojekt als wünschenswert. Dennoch gibt es kritische Stimmen, die Informationen zur Ausrichtung des Museums und zur Finanzierung des laufenden Betriebes fordern. Das Dorfheftli sprach mit Initiator Urs Buchmann, der bereit ist, mehrere Millionen Franken in die Realisierung und den Betrieb zu investieren. Der 64-jährige Urs Buchmann ist im Bankenbereich tätig, in Beinwil am See und Hongkong wohnhaft und Pianist aus Leidenschaft.

Herr Buchmann, können Sie etwas zu den Schwerpunkten Ihrer Sammlung sagen? Was erwartet die Besuchenden konkret?
Urs Buchmann: Meine Sammlung lässt sich in die Hauptkategorien Malerei, Teppiche, Porzellan und Möbel einteilen. Meine Eltern haben bereits in den 50er-Jahren den Grundstock mit afghanischen und kaukasischen Teppichen gelegt. Ich habe die Sammlung stetig erweitert, namentlich mit Gemälden aus China, Vietnam, der Mongolei, Japan und Korea. Seit meiner Studienzeit habe ich zudem chinesisches Porzellan gesammelt. Durch die internationale Tätigkeit meiner Eltern bin ich in verschiedenen Ländern und zugleich sehr kulturaffin aufgewachsen. Dies ermöglichte es, über die Jahre eine der bedeutenderen Sammlungen rumänischer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts aufzubauen, die aus geschichtlicher Sicht sehr interessant ist. Es bildet ein klares Anliegen der Stiftung, auf kulturelle, geschichtliche und soziale Bezüge wie auch stilistische Verwandtschaften einzelner Kunstschaffender und ihrer Arbeiten über die jeweiligen Epochen und Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen, so dass Werke sehr unterschiedlicher Provenienz zusammengebracht und im gleichen Raum ausgestellt werden können. Durch die Sammlung kann Zeitgeschichte veranschaulicht und erlebt werden.

Ist Beinwil am See der geeignete Standort für ein derartiges Museum?
Wir haben uns von allem Anfang in Böju sehr wohl gefühlt. Die Harmonie des Seetals spiegelt sich in dieser sehr gastfreundlichen Gemeinde und ihrer Bevölkerung. Der Gemeinderat, zahlreiche Bürger sowie eine Reihe von Kulturschaffenden in Böju haben das Projekt unterstützt und begleitet. Dazu kommt eine sehr attraktive geografische Lage. In nicht mal einer Stunde können Zürich, Basel oder Luzern erreicht werden und selbst Genf ist mit dem öffentlichen Verkehr und nur einmaligem Umsteigen in Reichweite. Kultur bildet einen elementaren Teil unseres Lebens und mit dem Museum und seinem Mehrzweckraum, der etwa 40 Zuhörenden Platz bietet, ergibt sich ein sehr natürlicher Zugang zur Kammermusik, die ihrerseits wieder den Austausch mit der bildenden Kunst erleichtert. So wie er konzipiert ist, stellt der Mehrzweckraum eine Ergänzung und nicht etwa eine Konkurrenz zum bestehenden «Löwensaal» dar. Insgesamt soll das Museum einen wesentlichen Beitrag zur lokalen Schulbildung und Jugendarbeit leisten, denn es kann im Rahmen des Kunst- und Geschichtsunterrichts genutzt werden.

Wie wird der Museumsbetrieb gestaltet und mit wie vielen Besuchenden rechnen Sie?
Das Museum wird jeweils von Samstag bis Montag oder auf Verabredung zugänglich sein. Eine Geschäftsführerin oder ein Geschäftsführer wird auf Halbtagesbasis mit dem Aufbau der Aktivitäten betraut werden. In dieser Position braucht es eine Persönlichkeit, die sehr kommunikativ ist, das Museum mit Leben zu füllen vermag und im Bereich von Social Media und IT begabt ist. Partnerschaften mit lokalen und regionalen Tourismusanbietern wie Hotels und Restaurants, dem öffentlichen Verkehr sowie anderen Museen werden angestrebt. Pro Woche erwarten wir maximal 150 Besuchende. Die Räumlichkeiten sollen den Vereinen von Beinwil am See offen stehen. Im Rahmen von Sonderausstellungen werden Kunstschaffende aus der Region regelmässig als Gastaussteller willkommen sein.

Wie soll der laufende Betrieb des Museums finanziert werden?
Durch das finanzielle Engagement der Stiftung selber, der Vermietung der Teil des Museumsbaus bildenden Wohnung, externen Sponsoren, einem Förderverein, Anstosszahlungen seitens des Kantons Aargau aus dem Lotteriefonds sowie durch die Eintrittsgelder wird ein Budget von rund 120’000 Franken über mehrere Kanäle generiert, was für den laufenden Betrieb ausreichen dürfte.

Welche Kosten kommen auf die Gemeinde zu?
Es ist vereinbart, dass die Gemeinde den Unterhalt des in Form einer einfachen Naturwiese gestalteten Gartens übernimmt. Die Biodiversät wird bewusst gefördert. Die Erschliessungskosten des Grundstücks übernimmt die Stiftung in vollem Umfang. Der Gemeinde erwachsen keine zusätzlichen Kosten, denn die Stiftung verfügt über eine eigene Rechtspersönlichkeit und ein eigenes Budget.

Welche Persönlichkeiten engagieren sich im Stifungsrat der «Seven Seas Art Foundation»?
Der regionale Bezug ist für die Tätigkeit der Stiftung von hoher Bedeutung: Idealerweise engagieren sich der jeweilige Gemeindeammann und der Kulturbeauftragte oder ein von der Gemeinde beauftragter Vertreter im Stiftungsrat, der durch eine Persönlichkeit mit unternehmerischem Hintergrund aus dem Kanton Aargau sowie meine Schwester Regula Buchmann und mich ergänzt wird.

 

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