lehrstellen

Gerald Strub am ersten … und fast am letzten Amtstag in Boniswil.

«I has gärn gmacht»

Text und Bild: Cornelia Suter

Nach 21 Jahren Einsatz für die Gemeinde Boniswil, darunter 4 Amtsperioden als Gemeindeammann, hat sich einiges an Anekdoten angesammelt. Doch jetzt ist Schluss. Gerald Strub wird im neuen Jahr den Bürotisch im Gemeindehaus räumen und dann schon bald die Koffern packen …

«1 Sitz und 3 Kandidaten gab es damals, als ich mich für den Gemeinderat beworben habe», erinnert sich Gerald Strub. Das war im Jahre 2000. Die junge Familie ist 1992 frisch nach Boniswil gezogen. «Die Einwohner hatten einfach den Kandidaten gewählt, welchen sie noch am wenigsten kannten und das war mein Vorteil», schmunzelt der heute 51-jährige Unternehmer, Grossrat und Noch-Gemeindeammann von Boniswil am Hallwilersee. «Damals habe ich das Ressort «Jung und Alt» übernommen, ich war unter anderem für die Schule und das Altersheim zuständig», erklärt Strub. Einerseits ein Vorteil, da der Boniswiler mit seinen beiden, damals noch schulpflichtigen Kindern, sehr nahe am Geschehen war, «andererseits fanden Michael und Tom das auch nicht immer so lässig», lacht Gerald Strub und erinnert sich an eine Halloweennacht vor Jahren zurück, als er bereits als Gemeindeammann im Einsatz stand: «Zwei Boniswiler Schulkinder hatten Eier an die Fassade des Gemeindehauses geworfen, das war natürlich eine grosse Sache und wir mussten im Gemeinderat entscheiden, was wir mit ihnen machen wollten. Ich habe die beiden Jungs dann spontan zu mir nach Hause an den Küchentisch eingeladen und mit ihnen gesprochen. Das war doppelt peinlich, einerseits für die beiden Kinder, welche etwa im selben Alter waren wie meine eigenen, aber natürlich auch für meine Söhne, die zwar nicht dabei waren, aber den Besuch mitbekommen haben.» Nun lacht Strub und ergänzt: «Trotzdem glaube ich nicht, dass Michael und Tom einen Schaden daraus genommen haben, sie sind beide auf sehr gutem Weg.» Michi arbeitet inzwischen als Kantonspolizist in Brugg, wo er vermutlich auch ab und an mit Halloweenschäden von Lausbuben konfrontiert wird. Tom schmeisst die Eier als Koch in die Pfanne, er hat die Lehre im ehemaligen Boniswiler Restaurant Seeblick gemacht und nun führt er die Küche im Restaurant Sommerlust in Schaffhausen.

Dann wird der Noch-Gemeindeammann aber etwas ernster. Er sitzt am Tisch im Sitzungszimmer des Gemeindehauses … noch, denn bald ist das vorbei. «Me chas ned ewigs mache, ond i has gärn gmacht», erklärt Strub und ergänzt: «Ich habe mit 35 Jahren angefangen, mich für die Gemeinde zu engagieren. Danach ist eine Amtsperiode nach der anderen ins Land gelaufen … Irgendwann muss Schluss sein.» Ab dem 1. Januar 2022 übernimmt Rainer Sommerhalder das Amt. «Das ist eine gute Möglichkeit für unser Dorf, neue Akzente zu setzen», unterstützt Strub den Amtswechsel. «Der Fokus verlagert sich nun von der generellen Dorf-Planung und der Erstellung von Infrastrukturbauten hin zur innovativen Umsetzung und weiteren Entwicklung unserer schönen Gemeinde», erklärt Gerald Strub. «Vor 21 Jahren hatten wir 1280 Einwohner, heute sind es fast 1600. Wir durften mit den Bauten im Mitteldorf viel Zuwachs generieren. Nun braucht es die Sanierung der Seengerstrasse und des Dorfbachs. Auch die Wasserbeschaffung muss neu geregelt werden. Das alles werden in wenigen Wochen die Herausforderungen des neuen Gemeinderats sein.

Doch was macht Gerald Strub dann? Das Lachen auf seinem Gesicht wird grösser und die Augen beginnen fast etwas zu funkeln: «Ich erfülle mir einen Traum», gesteht der Boniswiler und plaudert weiter: «Ich werde für ein halbes Jahr am Meer wohnen. Wo genau, weiss ich noch nicht, irgendwo in einem abgelegenen Dorf. Vermutlich zieht es mich zuerst ein paar Wochen nach Südafrika. Danach schauen wir weiter.» Arbeiten wird Gerald Strub via «Homeoffice» vom Strandhaus aus. Und seine Frau? «Mirjam führt hier mit grossen Herzblut das Restaurant Maria's Esszimmer. Sie wird mich mehrmals besuchen kommen», beschwichtigt Strub. Und seine Heimatgemeinde Boniswil? Was möchte er den Boniswilern noch mitgeben für's 2022? «Gebt sorge zu unserem Dorf und zu unserer Gemeinschaft. Es ist ein generelles Phänomen, dass sich die Leute je länger je mehr auf ihre Bedürfnisse konzentrieren. Das können wir in Boniswil besser machen», wünscht sich Strub.

 

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