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Als es wieder möglich war, sich jeweils zu Beginn und als Abschluss der Workshops im Menziker Gemeindesaal zu versammeln, stärkte dies das Miteinander aller an der Fusionsprüfung Beteiligten. Foto: zVg.

Gemeinsam an Effizienz zulegen

Quelle: Gemendeverwaltungen Burg und Menziken

«Eigentlich sollte man dem Motto ‹Füge zusammen, was zusammen gehört› folgen.» Mit diesem Sprichwort zieht Jean-Claude Kleiner, fachlicher Projektleiter, nach fünf Workshops pointiert Zwischenbilanz zur Fusionsprüfung von Burg und Menziken.

Gefragt nach den konkreten Chancen des allfälligen Zusammengehens von Burg und Menziken sagt Jean-Claude Kleiner: «Eine grosse Chance ergibt sich in der gemeinsamen Bestellung von Behörden, Verwaltung und Betrieben. Daraus resultieren auch interessante Synergieeffekte. In vielen Sachgebieten besteht bereits eine enge Zusammenarbeit. Man ist aber noch ‹doppelspurig› unterwegs und könnte durch eine Gemeindefusion weiter an Effizienz zulegen.» Neben den Chancen benennt der erfahrene externe Projektberater aber auch mögliche Risiken: «In diesem Projekt liegen die Risiken weniger im finanztechnischen oder inhaltlichen Bereich, sondern eher im Überwinden von allfälligen Vorurteilen beziehungsweise in der Welt der Emotionen. Doch die Dörfer Burg und Menziken bleiben mit Name und Wappen sowie ihrer Geschichte erhalten und der Nachbar bleibt auch bei einer Gemeindefusion derselbe.»


Nachgefragt bei der Projektleitung
Neben der fachlichen, bilden die Gemeindeammänner von Burg und Menziken, Marcel Schuller und Erich Bruderer, die politische Projektleitung. Nach fünf Workshops nimmt das Projektleitungstrio kurz und bündig Stellung zur Fusionsprüfung:

Wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf der Fusionsprüfung?
Erich Bruderer: Die Arbeiten in den einzelnen Gruppen waren sehr fruchtbar. Es waren offene Diskussionen, bei denen alle heiklen Punkte angesprochen werden konnten. Das Verständnis füreinander war da.

Jean-Claude Kleiner: Wir sind gut auf Kurs! Obwohl die Zeit für die Erarbeitung der Grundlagen für den Schlussbericht aufgrund der Corona-bedingten Verzögerung äusserst knapp war, haben die Arbeitsgruppen die Themen umfassend sowie qualitativ überzeugend bearbeitet. Meine Erwartungen wurden gar übertroffen.

Was hat Sie positiv überrascht bei diesem Projekt, was besonders gefordert?
Marcel Schuller: Positiv überrascht hat mich, dass sich die beiden Gemeinden doch schon sehr nah sind und das wir finanziell nicht weit auseinander liegen.

Erich Bruderer: Ja, es war spannend, als die einzelnen Arbeitsgruppen realisierten, wie eng die zwei Gemeinden schon miteinander vernetzt sind. In all den Treffen kam kein einziges Killerargument auf den Tisch, welches eine Fusion scheitern lassen könnte.

Jean-Claude Kleiner: Gegenseitiger Respekt und Toleranz wurden breit gelebt. Menziker und Burger Einwohnerinnen und Einwohner fanden sich schnell zu einem Team und fühlten sich der Sache, nicht den persönlichen Interessen, verpflichtet. Besonders gefordert und weiter fordern wird uns der enge Terminkalender. Es bleibt zu wenig Zeit für den persönlichen Gedankenaustausch; die Musse kommt zu kurz.

Wie beurteilen Sie Chancen und Risiken eines allfälligen Zusammengehens von Burg und Menziken?
Jean-Claude Kleiner: Eingangs Artikel wurden bereits Argumente aus meiner Sicht genannt. Vielleicht noch dies: Eine grosse Chance bietet natürlich die Mitgift des Kantons von ca. 12,8 Millionen Franken.

Erich Bruderer: Für Menziken sehe ich absolut kein Risiko. Es ergeben sich grossen Chancen für unsere Zukunft. Ich freue mich – gemeinsam gestärkt – uns auf den weiteren Weg zu begeben.

Marcel Schuller: Aus finanzieller und liegenschaftstechnischer Sicht spricht vieles für eine Fusion von Burg und Menziken. Der von Jean-Claude Kleiner erwähnte Zusammenschlussbeitrag würde beiden Gemeinden einen selbstbestimmteren Weg in Richtung Zukunft ermöglichen.



2021 08 fusionspruefung2Mitglieder der Arbeitsgruppe 2 bei der Diskussion über die Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Zumal die BNO von Burg und Menziken neueren Datums sind, liesse man beide für eine Übergangszeit stehen, was so im Fusionsvertrag festgehalten würde. Foto: zVg.


Keine finanziellen Hürden

«Kopf, Herz und Portemonnaie» entscheiden über einen Gemeindezusammenschluss, pflegt Jean-Claude Kleiner gerne zu sagen. Um Genaueres zum «Portemonnaie» zu erfahren, wurde der externe Finanzexperte Christoph Brunner beigezogen. Aufgrund der Abschlüsse 2020 verfasste er eine erste Übersicht über die finanzielle Ausgangslage von Burg und Menziken sowie die Perspektiven bei einem Zusammenschluss der beiden Gemeinden. «Mit Burg und Menziken wurden zwei Gemeinden verglichen, die in der Grösse und Struktur unterschiedlich sind. Einerseits Menziken mit rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern und einem gewerblichen Wirtschaftsbereich. Andererseits Burg mit rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit einem industriellen Wirtschaftsbereich», so das Mitglied der Geschäftsleitung der Beratungsfirma OBT. «Der strukturelle Unterschied zeigt sich deutlich im Umfang und der Art der Steuereinnahmen. Burg weist im kantonalen Vergleich eine leicht unterdurchschnittliche Steuerkraft aus, geprägt jedoch von einem hohen Anteil an Aktiensteuern. In Menziken dagegen stehen die Einnahmen aus Einkommens- und Vermögenssteuern im Vordergrund. Die Steuerkraft liegt deutlich unter dem kantonalen Schnitt und unter dem Wert von Burg. Die aktuelle Ertragslage ist jedoch in beiden Gemeinden sehr solid.» Christoph Brunner weiter: «Beide Gemeinden beziehen substantielle Beiträge aus dem Finanzausgleich von gegen 37 Steuerprozenten in Menziken beziehungsweise 22 in Burg. Bei einem möglichen Zusammenschluss wird erwartet, dass weiterhin die gleichen Finanzausgleichsbeiträge ausbezahlt werden.» Mit Blick auf die Nettoverschuldung meint der Finanzexperte: «Konsolidiert betrachtet weisen die beiden Gemeinden eine moderate Nettoschuld aus. Angesichts der geplanten, grösseren Investitionen in beiden Gemeinden ist jedoch ein Ausbau der Nettoverschuldung angezeigt.»

Trotzdem sind für den Zusammenschluss von Burg und Menziken die rein finanziellen Aspekte laut Christoph Brunner nicht ausschlaggebend: «Aufgrund der guten jüngsten Jahresabschlüsse sowie der verifizierten Spar- und Synergiepotentiale wird der Steuerfuss bei einer allfälligen Fusion von Burg und Menziken bis auf weiteres 118 Prozent (aktueller Steuerfuss von Menziken) betragen. Die möglichen Nettomindereinnamen sind überschaubar und dürften nur ein halbes Steuerprozent (rund 64‘000 Franken) der fusionierten Gemeinde betragen.»

2021 08 fusionspruefung3Zusammenfassend befand die Arbeitsgruppe 7: «Aus Sicht Jugend, Alter, Gesundheit und sozialer Sicherheit steht einer Fusion von Burg und Menziken nichts im Weg. Es stehen mehr Ressourcen zur Verfügung.» Foto: zVg.


Öffentliche Information im Oktober

Der von der Arbeitsgruppe Finanzen/Liegenschaften eingehend beratene Finanzbericht wird momentan überarbeitet und in definitiver Fassung voraussichtlich im Oktober publiziert werden. Auf den 28. Oktober ist eine öffentliche Informationsveranstaltung für die Bevölkerung von Burg und Menziken geplant. Dann werden auch die Details aus dem Grundlagenbericht vorgestellt werden.

Austausch auf Augenhöhe
Ob Wirtschaftsort, Verkehr, Schülerzahlen, Tagesstruktur, Naturschutz, Pachtland, Wasserversorgung, Sicherheit, Jugend, soziale Dienste oder Freizeit und Vereine: Die Palette der Themen war breit, welche die rund 50 Engagierten aus Burg und Menziken im Zusammenhang mit der Fusionsprüfung erörterten. «Ich fand den Prozess spannend, wir sind gut vorangekommen», bilanziert Menzikens Gemeindeschreiber Michael Schätti beim Besuch in der Arbeitsgruppe 1 «Behörden/Verwaltung, Infrastruktur». Seine Burger Kollegin Pia Huber empfand die Zusammenarbeit in der Gruppe als sehr angenehm und bereichernd: «Wir diskutierten auf Augenhöhe.» Auch Matthias Lubner war Teil dieses Teams. Er wuchs «im tiefsten Sachsen» auf, lebt seit 2012 in der Schweiz, ist seit vier Jahren wohnhaft in Menziken und arbeitet als IT-Fachmann im kantonalen Volkswirtschaftsdepartement. «Als aus Deutschland Zugezogener war ich motiviert, durch das Mitwirken bei der Fusionsprüfung Einblick in die Schweizer Demokratie zu erhalten. Nicht zuletzt hinsichtlich meines Einbürgerungsgesuchs Ende nächsten Jahres empfand ich die gemachten Erfahrungen als wertvollen Lernprozess.»

Umfrage bis 15. August | Informationsveranstaltung am 28. Oktober
Seit Anfang Juli läuft die Umfrage zu Name und Wappen der allfällig neuen Gemeinde auf der Projektwebsite oder mittels Talon in der Juli-Dorfheftli-Ausgabe. Bei der Namensgebung liefern sich bis dato Menziken und Menziken-Burg ein Kopf an Kopf-Rennen. Fällt die Wahl letztlich auf Menziken, würde das bestehende Menziker Wappen übernommen. Fällt die Wahl auf Menziken-Burg, wäre der momentane Top-Favorit das Sujet mit der Fichte/Rottanne. Alle weiteren Informationen zum Thema, die Wappenvorschläge plus das Umfrageformular finden sich auf www.57365737.ch. Die Umfrage läuft noch bis zum 15. August. Die in den Workshops erarbeiteten Ergebnisse der Fusionsprüfung von Burg und Menziken werden am Donnerstag, 28. Oktober, im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung der interessierten Bevölkerung präsentiert.

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