lehrstellen

Sagen aus Gontenschwil

Das Mörderthier im Ruederthal

Zwischen den Ortschaften Schildwald und Gontenschwil findet sich eine Schlucht, an welcher vorbei ehemals die Strasse durch den wilden Wald nach Beromünster gegangen sein soll; sie habe dorten das Winen- und Surenthal verbunden. Noch nennt man jene Schlucht die Mördergrube, weil dort eine Mörderbande mittelst künstlich gerichteter Dräthe den Durchzug der Reisenden ausgespürt und diese dann niedergemacht haben soll. Seither will Mancher an schwülen Sommertagen ein entsetzliches Geheul, stärker als das eines Menschen oder Wildes, aus jener Gegend her vernommen haben.

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Gondelisee im Kulmerthal

Das grosse Gewässer, welches ehemals von Gontenschwil weit herab durchs Kulmerthal zur Aargegend gereicht haben soll, wird Gondelisee geheissen. Ein Burgvogt soll Quecksilber hineingegossen und es so trocken gelegt haben. Nach andern Berichten führte ein Graf dieses Landstriches mit der angeblichen Stadt Hegnau (vergl. No. 52 Dornstrauch zu Oberkulm) Krieg, die man ebenfalls in das Thal versetzt. Da er sie nicht erobern konnte, so mussten seine sieben starken Söhne dem See einen Durchbruch graben und dadurch die Stadt ersäufen. Von ihr blieb nichts übrig, als das hier noch zahlreiche Geschlecht der Hegnauer, mit denen jedoch die gleichfalls vorkommenden Hagnauer nicht zu verwechseln sind, die von einem elsässischen Schlosse ihren Namen ableiten.

An dem hier gelegenen Seeberge fand man vor Jahren einen eisernen Ring in die Felsen eingetrieben; an ihm sollen die Sennen ihr Vieh, wenn sie es im See tränkten, und die Schiffer ihre Kähne angebunden haben. Die Berghöhe heisst Seblihügel; von da habe der Leuchtthurm über den See hingeschaut.

Gleichen Ursprung giebt sich der Weiler Seeberg, der gegen Wyl hin liegt und zum Dorfe Leimbach gehört. Letzteres nennt auch eine seiner Häuserreihen die Seegasse, wie das noch höher gelegene Dorf Menzikon eine Wassergasse hat und einen Dorftheil, der die Arche heisst.

(nach Rochholz, Schweizer Sagen)

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Das Hoggebori zu Kulm

Waltersholz, eine Anhöhe bei Kulm, soll früher der Standort einer Kapelle gewesen sein; dieselbe wurde erbaut durch ein krummgebornes Mädchen, die wegen ihres ragenden Höckers den Namen «Hoggebori» bekam. Sie trug die Bausteine alle selbst den Hügel hinauf und starb über der Anstrengung. Da somit das von ihr geleistete Gelübde nicht erfüllt war, so muss sie nun als Spukgestalt die Arbeit fortsetzen. Man hört sie Steine schieben und schleppen, darüber ächzen und stöhnen. Dann werden ihr die hinaufgetragenen Steine wieder über den Abhang hinabgekollert.

(nach Rochholz, Schweizer Sagen)

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Das Stroh verbrennen

Ein Kornspeicher, den man auf der ehemals zum Kirchenbau bestimmt gewesenen Baustelle um Gontenschwil aufzuführen begann, wollte in seinen Grundmauern durchaus nicht fest werden. Da brachte ein Mann vom Gaishof ein Füllen auf den Platz, zündete eine Welle Bohnenstroh ihm unter dem Leibe an und hielt das Thier so lange, bis das Stroh verbrannt war. Von da an fiel das frisch aufgeführte Mauerwerk den Arbeitern nicht mehr zusammen. 

Es hat sich dieser Brauch in jener Gegend bis in die Neuzeit fort vererbt; wollte das Anknen oder sonst eine landwirthschaftliche Verrichtung nicht gut von statten gehen, so nahm man ein Füllen aus dem Stalle und verbrannte ihm eine Welle Stroh, Heu u. A. unter dem Leibe.

(nach Rochholz, Schweizer Sagen)

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Der Gontenschwiler-Muni

Ein dem Metzger verkaufter Muni (Stier) wird aus dem Dorfe Gontenschwil ins nächste Wirthshaus dem Käufer zugeführt. Dort kommt des Metzgers junger Knabe entgegen und lacht die vier Männer aus, welche gewaltige Mühe haben, den gebundenen Stier herbei zu bringen; er zieht eine dünne Schnur aus der Tasche, knüpft sie in einige Knoten, windet sie dem Thiere ums Horn und sogleich folgt dieses ihm wie ein Lamm hintendrein.

(nach Rochholz, Schweizer Sagen)

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Der Wilde Jäger Mutti am Chnubel

Das sogenannte Mutt-Schüerli am Chnubel in Gontenschwil, Wohnhaus und Scheune, stand früher droben auf dem jenseits gelegenen Homberge, wurde aber abgebrochen und ins Thal herunter gefahren, um hier aufgerichtet zu werden.

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Das alte Schloss bei Gontenschwil

Auf dem nächsten Berge des Dorfes Gontenschwil zeigt man jetzt noch im Gestrüppe einen Sodbrunnen als letzten Rest des hier gewesenen alten Schlosses. Da sieht man bei hellem Tage Ritter und Frauen umherwandeln, und will das Wetter sich ändern, so hört man im sausenden Windstoss Jägerruf und Hundegebell wohl eine Stunde lang. 

Als ein Mann dieses Weges nach Birrwil gieng, sah er schon von Weitem hier etliche Personen so lustig den Berg herab kommen, dass er glaubte, eine Reisegesellschaft zu treffen, die er schnell einholen solle, um den hübschen Hochzeitsmarsch besser hören zu können, den sie bliesen. Als er aber den Berg erstiegen hatte, stand die ganze Schar unbeweglich dort, und während er deutlich drei Herren und drei Frauen unterschied, glaubte er mit Entsetzen wahrzunehmen, dass einer davon keinen Kopf habe. Er lief bis er das Holz erreichte, und dort wagte er es zu seiner eigenen Beruhigung umzusehen. Kaum sechs Schritte hinter ihm fing es an zu prasseln, als ob der Hagel schlage, und dann durch das Oberholz zu rauschen und zu dröhnen, wie wenn die dichten Stämme auf einmal umgebrochen würden.

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Der ausgebrochene Knochen vor Gericht

Einst wurde zwischen den Dörfern Gontenschwil und Zetzwil ein toter Mann auf der Strasse gefunden, der alle Spuren eines gewaltsam erlittenen Todes an sich trug. Als man dem vergebens nachgeforscht hatte, kam man auf den Einfall, der Leiche einen Knochen auszubrechen, und ihn an den Zug der Schlossglocke zu Lenzburg zu hängen, wo jeder läuten musste, der beim Landvogt Recht oder Almosen suchte. Lange Jahre war der Knochen zwecklos so angebunden gewesen, als einmal ein bettelnder Greis die Schelle zog und plötzlich darüber mit Blut bespritzt war. Er wurde verhaftet und gestand, in seiner Jugend jenen Mann angefallen und ermordet zu haben.

Quelle: Deutsche Volkssagen. Hg. v. Leander Petzoldt, 2. Aufl. München 1978, S. 67

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