Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

beinwil klz

Win-win: Senioren im Unterricht

Text und Bild: Eing.

Seit Dezember 2018 wird unsere Schule Beinwil am See durch Senioren im Unterricht unterstützt. Dabei geht es um die Förderung des Dialoges zwischen unterschiedlichen Generationen. Es sollen sowohl die Kinder von den Erfahrungen der Senioren, wie auch die Senioren von der Sichtweise und dem Erleben der Kinder profitieren.

Als Schulleiter und gemeinsam mit der Schulführung ist es mir wichtig, dass unsere Schule ein beweglicher, dynamischer Ort ist, in welchem die Kinder in ihren Stärken gesehen und unterstützt werden. Zu dieser Haltung gehört auch der Kontakt und die Begegnung über Generationen hinweg. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, das Projekt «Senioren im Unterricht» an unserer Schule zu lancieren.

Seit Dezember 2018 sind nun vier Senioren hin und wieder in den Klassenzimmern anzutreffen. Sie erzählen Geschichten, hören beim Lesen zu, leisten praktische Hilfe und treten mit den Kindern in Beziehung. Sie fragen nach, interessieren sich, geben von sich preis und werden durch ihre regelmässigen Besuche zu Bezugspersonen für einzelne Kinder und Klassen. Die Klassenlehrperson handelt die Art und Gestaltung der Unterstützung mit den Senioren aus.
Zweifelnd kann man sich überlegen, ob die Senioren nicht einfach als unbezahlte Klassenassistentinnen und Klassenassistenten dienen. Dies war auch einer meiner kritischen Gedanken im Vorfeld. Im Aufgabenbeschrieb, bei der Auswahl der Personen und insbesondere jetzt in der Durchführung wird viel Wert auf klar abgegrenzte Rollenverteilungen gelegt. Die Senioren sind keine Hüte- oder Nachhilfelehrpersonen. Sie sind Bezugspersonen, die regelmässig mit ihrem ganzen Erfahrungsschatz die Klassen und Kinder bereichern sollen. Ausserdem sind sie gewillt von den Kindern zu lernen, sich bereichern zu lassen, sich etwas erklären zu lassen und damit wieder vertieftes Lernen zu ermöglichen. Ich bin als Schulleiter stets Ansprechperson bei Unklarheiten und bin regelmässig mit den Beteiligten im Gespräch. Dadurch konnten meine Zweifel ausgeräumt werden.

Wenn ich die Schülerinnen und Schüler frage, wie sie die Senioren erleben, höre ich Stimmen wie: «Er ist so toll, lustig und nett», oder «Ich durfte mit ihm in die Bibliothek und er hat gesagt, dass er auch am liebsten Pause macht» oder «ich will, dass sie nie mehr weggehen, weil ich sie so lieb habe». Die Lehrpersonen äussern sich dahingehend, dass Sie sich durch die Senioren als Menschen, deren Spontanität, deren Worte und Geschichten, der Flexibilität und durch das Fachwissen bereichert fühlen im Klassenzimmer. Sie erleben Hilfe und Unterstützung und durch die regelmässigen Begegnungen gegenseitigen Respekt und Freude aneinander. Kurz und gut: Senioren als Sonnenstrahlen im Klassenzimmer. Und das wiederum spüren auch die Senioren und erfüllt sie mit grosser Genugtuung. 

Selbstverständlich weiss ich, dass zum Gelingen dieses Projektes, es eine Grundhaltung der Senioren sein muss, sich nicht als Allwissende zu produzieren, sondern an der Lebenswelt der Kinder interessiert zu sein und auf Augenhöhe zu gehen. Diese Kompetenz bringen unsere Senioren im Klassenzimmer mit. Ich bin zufrieden mit dem Start dieses Projektes, denn ich sehe und höre viele positive Erfahrungen und auf allen Seiten Genugtuung und interessierte, motivierte Kinder und Erwachsene. Wenn unser Schulhaus ein Ort der Begegnung solcher Art ist, dann sind wir auf einem guten Weg.


Rolf Liechti, Schulleiter