Drucktermin: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Das Jahr 2019 war unbeschreiblich

Text: Dirk C. Buchser

Weltmeisterin, Europacupsiegerin und Schweizermeisterin. Orientierungsläuferin Eline Gemperle hat im letzten Jahr fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Die Boniswilerin sprintet gerne durch die Städte und startet als Favoritin zur diesjährigen Junioren-Weltmeisterschaft in der Türkei.

Als Saison-Abschluss sprintete Eline Gemperle am 9. November 2019 noch einmal mit den besten Schweizer Elite-Athleten mit. Beim sogenannten Grand-Slam-Final im zürcherischen Pfäffikon durften nämlich nur die besten drei OL-Juniorinnen und die besten sechs Elite-Athletinnen des Jahres mitlaufen. Und die Boniswilerin zeigte noch einmal was sie draufhat: Platz 5, mitten in der Schweizer Weltelite. «Es war der Abschluss eines unglaublichen Jahres», schüttelt die 19-jährige Kantischülerin immer noch ungläubig den Kopf. «Ich gewann eigentlich alles was es zu gewinnen gab.» Angefangen hatte das schon fast historische OL-Jahr 2019, bei der Junioren-Weltmeisterschaft im letzten Juli in Dänemark. Im ersten Wettkampf, an ihrer ersten WM, holte sie völlig überraschend den Weltmeistertitel im Sprint. «Als ich bei der Zielarena vorbeilief, hörte ich vom Speaker, dass ich auf dem zweiten Platz liege. Da dachte ich, jetzt erst recht – und machte prompt einen Fehler», erzählt sie schmunzelnd. Trotz dieses 15 Sekunden-Fehlers reichte es dennoch für den Titel. Für alle völlig überraschend: «Es kannte mich im Vorfeld niemand, ich rutschte erst Anfang Jahr ins Nationalkader und darum rechnete auch niemand mit mir.» Das änderte sich dann aber schlagartig. Zuerst kamen die nationalen Titelkämpfe, in welchen die Boniswilerin als Favoritin startete und Gold holte, und dann noch der OL-Europacup in Frankreich: Auf dem schwierigen Parcours und bei über 30 Grad gewann die 19-Jährige auch Gold. «Ich kann es irgendwie immer noch nicht ganz begreifen, was ich letztes Jahr alles geschafft habe», meint die für den OLK Argus startende Juniorin.

Die aus einer OL-Familie stammende 19-Jährige, ihre Mutter Sara war OL-Profi und mehrfache Schweizermeisterin und ihr Vater Rolf Nationaltrainer der Schweiz und Österreich, ist froh, dass es den Sprint gibt. «In der Stadt fühle ich mich wohl, man muss schnell überlegen, es hat immer Zuschauer und das wichtigste: Es hat keine Dornen!» Langdistanz oder Mitteldistanz sind, nicht nur wegen den Dornen im Wald, nicht ihre Disziplinen.

Jetzt folgt zuerst einmal die Matura. Danach ist die Junioren-WM in der Türkei. Mit der Favoritin aus der Schweiz. Den Titel zu verteidigen sei natürlich ein Traum, wenn auch fast unmöglich. «Bei den Juniorinnen sind immer wieder ganz neue Gesichter dabei, und man weiss nie, wie die einzelnen Länder selektionieren», erklärt Gemperle. Top 6 ist das Ziel. Obwohl, vielleicht reicht es ja dennoch zur Titelverteidigung. Das Trainingspensum von bis zu 9 Stunden in der Woche, passt sie dieses Jahr nämlich ein bisschen nach oben an. Profi­sportlerin kommt, trotz mehr Zeit nach der Matura, aber noch nicht in Frage. «Das ist finanziell fast nicht möglich.» Eines ist klar: Es wird das letzte Jahr bei den Juniorinnen sein. «Der Unterschied, gerade im Sprint, zur Elite ist schon gross». Und da gibt es ja dieses Jahr an der WM noch eine neue Disziplin: Der Knockout-Sprint. «Das ist schon cool und macht mir Spass», grinst sie vielsagend. Und vielleicht hat Boniswil bald eine Weltmeisterin in dieser neuen OL-Disziplin.

 

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