Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

gontenschwil klz

Roter Blickfang, gebaut in Gontenschwil: Der DKW von Andreas Lüscher mit der Original Monza Form «Version Schenk».

Sportcoupé DKW Monza «made in Gontenschwil»

Text und Bild: Thomas Moor

Monza steht für Motorsport schlechthin. Seit 1922 ist die italienische Stadt Metropole für Autorennen, seit 1950 für den GP von Italien zur Formel-1-WM. Monza steht aber auch für einen Sportwagen der Marke DKW, der unter anderem von Ernst Lüscher in Gontenschwil gebaut wurde.

Dass Motoren, Bestandteile, ja sogar ganze Automobile in der Vergangenheit immer wieder in Hinterhöfen entstanden sind, zeigt sich beim Blick in die Geschichtsbücher rund um die Entwicklung des Automobils. Da waren findige Tüftler – man nannte sie auch Daniel Düsentrieb – am Werk, welche von der Technik fasziniert waren, über entsprechende Fingerfertigkeit, Hartnäckigkeit und auch Pioniergeist verfügten. Zu ihnen zählt auch der Gontenschwiler Ernst Lüscher. Drei Karosserie-Serien für insgesamt 11 DKW-Eigenbau und Monza sind bei ihm im Geisskragen in Gontenschwil entstanden. Im Fachbuch «Die 3=6 Monza Story» von 1994 ist von drei Karrosseriebau-Firmen die Rede, die sich die Produktion von rund 240 Zweisitzer-Sportwagen geteilt hatten. Wenig war bis dahin vom Gontenschwiler Ernst Lüscher bekannt gewesen. Als gelernter Bau- und Möbelschreiner mit Zusatzlehre als Modellschreiner, war er einer aus dem hölzigen Lager, der aber auch mit der Materie Kunststoff umzugehen wusste. Diese Tatsache und der Wunsch nach einem eigenen Sportwagen, bewegten ihn dazu, eine Kunststoffkarrosserie zu produzieren. Als Unterbau für sein Erstlingswerk diente ihm ein DKW Unfallwagen, dessen Fahrwerk unversehrt war. Mit Abbruchbalken wurde die Positivform der Karosserie 1957 in aufwändiger Arbeit und Bearbeitung hergestellt. Die Fertigstellung der sorgfältig entwickelten Form dauerte rund zehn Monate.

Danach erfolgte ein weiterer Höhepunkt: Die Negativ-Form in Polyester konnte aufgepinselt werden. In der Werkstatt eines Bootsbauers entstanden so in einer ersten Serie die ersten drei Cabriolet-Rohlinge. Zuhause im Geisskragen wurden diese Karrosserien im Zeitraum von sechs Jahren auf weitere zugekaufte DKW-Fahrgestelle montiert und die nötigen Zubehörteile angebaut. Danach folgte ein weiterer Geniestreich mit der Reparatur eines DKW-Monza-Unfallwagens. Für die Reparatur der eingedrückten Frontpartie stellte Ernst Lüscher ein Modell aus Gips im Massstab 1:1 her, das eine um 30 Zentimeter verlängerte Frontpartie aufwies und Fachleute und Kenner beeindruckte. 1960 baute der Gontenschwiler dieses Modell für sich selber. Als Chassis diente ihm ein DKW 1000S und war eines von insgesamt drei Fahrzeugen aus dieser Serie. Nach einem Besuch beim Deutschen Monza-Hersteller Schenk in Stuttgart revolutionierte der Wynentaler Selfmade-Konstrukteur in einer weiteren Phase die Konstruktionsweise der Monza-Karosserie.

Und in der Zwischenzeit hatte das Monza-Virus weitere Familienmitgleider infiziert, welche dem Autobauer neue Türen öffneten. Lüschers Sohn Andreas hatte sich zum Elektromonteur ausbilden lassen. Zudem heiratete Tochter Annette den Automechaniker René Müller. Beste Voraussetzungen also, die dritte Bauserie mit der Original-Monza-Form «VersionSchenk» mit Sohn und Schwiegersohn in Angriff zu nehmen. Aus dieser Serie mit total 5 Fahrzeugen stammt auch der rote DKW Monza von Andreas Lüscher, der die neugierigen Blicke von Passanten und Kenner der Autoszene immer wieder auf sich zieht. Ein Blick in das Karosserie-Verzeichnis zeigt, dass die unverwüstlichen DKW-Monza noch heute in der Schweiz, Deutschland, Italien und Portugal unterwegs sind. Fahrzeuge, die dank Ernst Lüscher ein Stück erlebbare Gontenschwiler Auto-Geschichte erzählen.

 

DKW Monza: Rekordfahrt mit Schweizer Beteiligung

Die berühmte italienischen GP-Strecke gab dem DKW-Sportwagen von Autobauer Auto Union seinen klingenden Namen. Doch der Reihe nach. Nachdem am Genfer Automobilsalon im Frühjahr 1956 das schnittige Sportcoupé mit dem DKW-Dreizylinder-Zweitaktmotor mit 896 Kubikzentimeter Hubraum und 38 PS seinen grossen Auftritt hatte und der Blickfang schlechthin war, erlangte der Wagen seine Bekanntheit in der breiten Öffentlichkeit erst rund ein halbes Jahr später. Der Düsseldorfer Heinz Meier, damaliger Leiter des Auto-Union-Reparaturwerkes, startete zusammen mit dem Karlsruher Sportfahrer Günther Ahrens, dem Zürcher Rallyefahrer George Theiler und DKW-Händler Roberto Barbay aus Lugano im Dezember 1956 in Monza zur Rekordjagd. Während der 72 Stunden dauernden Non-Stop-Fahrt bei einem Durchschnitt von 140 km/h stellte das deutsch/schweizerische Fahrerteam nicht weniger als fünf internationale Rekorde (4000 Meilen, 5000 Meilen, 48 Stunden, 72 Stunden und 10 000 Kilometer) auf.

Quelle: Internet