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Kennen Sie Dr. Claudia Piccolantonio, die neue Hausärztin in Gontenschwil?

Text und Bild: Elsbeth Häfeli

Claudia Piccolantonio wird am 28. März 2020 von 10.00-18.00h ihre Hausarztpraxis an der Gontenschwiler Bergstrasse eröffnen (siehe Inserat). Bis vor kurzem hat die junge, sympathische Frau als leitende Ärztin im Xundheitszentrum Reinach gearbeitet und freut sich nun sehr auf die neue Herausforderung in ihrer Wohngemeinde. In Reinach wird sie weiterhin als Schul­ärztin tätig sein. Im Gespräch beweist sie viel Tiefsinn und ein grosses Gespür für die Menschen.

Frau Piccolantonio, was ist Ihre Motivation, eine Hausarztpraxis zu eröffnen?
In ländlichen Regionen der Schweiz ist die Hausarztmedizin unterrepräsentiert, was dazu führt, dass Patienten weite Wege fahren müssen um einen Arzt zu konsultieren. Mit der Eröffnung meiner Praxis freue ich mich, die Hausarztmedi­zin im Kanton Aargau unterstützen zu können. Persönlich interessiert mich in der Hausarztmedizin die Vielfalt. Viele Disziplinen greifen hier ineinander. Zum Beispiel die Innere Medizin mit der Kinderheilkunde, die Psychiatrie, die Chirurgie oder Orthopädie.

Wie sieht Ihr bisheriger beruflicher Werdegang aus?
Nach dem Abitur studierte ich zunächst zweieinhalb Jahre Psychologie an der Universität Padua in Italien und wechselte dann in die Medizin nach Frankfurt am Main. Während des Medizinstudiums habe ich viel Erfahrung unter anderem in der Kinderheilkunde gesammelt. Meine Doktorarbeit habe ich im Bereich der kinderheilkundlichen Krebserkrankungen geschrieben. Meinen Facharzt für allgemeine Innere Medizin habe ich in der Schweiz erworben. Während meiner Ausbildung verbrachte ich drei Jahre im Universitätsspital Basel und arbeitete dort auf unterschiedlichen internistischen Abteilungen, inklusive der Notfallstation und der ambulanten Hämatoonkologie. Ebenso arbeitete ich in der Chirurgie und in der Anästhesie in verschiedenen Kantonspitälern unter anderem in Baselland, Kanton Zürich und Schwyz. Anschliessend durfte ich, wie oben erwähnt, zwei Jahre Erfahrungen in der Hausarztmedizin sammeln.

Wo liegen Ihre beruflichen Stärken und Interessen?
Die Beziehungsgestaltung liegt mir sehr am Herzen, denn sie stellt den Menschen dorthin, wo er hingehört, ins Zentrum der modernen Hausarztmedizin.

Schön finde ich vor allem, dass man über einen längeren Zeitraum Patienten/Familien, also gross und klein begleiten darf.

Um jedem einzelnen Patienten gerecht zu werden, braucht es mitunter mehr oder weniger Zeit für die einzelnen Konsultationen. Hier gilt es ein faires und indiziertes Mass zu treffen und zu entscheiden, wer was und wieviel braucht. Ausserdem macht mir der handwerkliche Aspekt, z. Bsp. die kleinchirurgischen Eingriffe, in meinem Beruf grosse Freude. In unserer Praxis können wir die Sprechstunden auf deutsch, italienisch, englisch und französisch durchführen.

Was bedeutet für Sie Palliative Care?
Die palliative Medizin ist ein sehr wichtiges Interessengebiet für mich. Die existentiellsten Zeitpunkte des Lebens sind der Anfang und das Ende. Dass diese Erfahrungen menschlich und fachkundig begleitet werden, ist ebenso Menschenwürde als auch Menschenrecht. Dies liegt mir sehr am Herzen.

Gibt es Ereignisse in Ihrem Leben, die Ihre Einstellung zu den Menschen geprägt haben?
Zum Ende meines Studiums habe ich vier Mona­te in Lambarene (Afrika/Gabun) auf der Chirur­gie gearbeitet. Aus der Erfahrung dort habe ich mitgenommen, dass es im Leben nur ein paar wenige wesentliche Dinge braucht, um glücklich zu sein. Oft nehmen wir unseren Wohlstand als zu selbstverständlich und verlieren dadurch die Dankbarkeit für das Glück, welches wir in unserer Gesellschaft eigentlich leben.

Was bringt positive Energie in Ihr Leben?
Zeit mit den Menschen zu verbringen die ich liebe. Familie, Freunde, gutes Essen und Musik. Sport, vor allem an der frischen Luft.

Was könnte Sie zur Verzweiflung treiben?
Respektlosigkeit vor Mensch, Tier und Natur. Unehrlichkeit, Unachtsamkeit, Ungerechtigkeit, Ignoranz und Rassismus.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Genau Hinzuschauen und zu Sehen.

Mit welcher Persönlichkeit möchten Sie sich gerne einmal unterhalten?
Mit Prof. Dr. Gian Domenico Borasio, dem Palliativmediziner. Seine Ethik und auch er selber als Mensch faszinieren mich.

Worüber haben Sie sich in letzter Zeit besonders gefreut?
Über die Geburt meiner Tochter.

Gibt es etwas, das Sie hier und jetzt den Bewohnern des oberen Wynentals mitteilen möchten?
Ich freue mich darauf, einen Anteil der hausärztlichen Versorgung abdecken zu dürfen und ich freue mich auf Ihr Kommen!

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