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Bruno Irniger ist seit 50 Jahren Stimmenzähler in Meisterschwanden.

Früher gab es bei Nichterscheinen an der Gemeindeversammlung 3 Franken Busse!

Text und Bild: Dirk C. Buchser

Bruno Irniger ist seit 50 Jahren Stimmenzähler der Gemeinde Meisterschwanden. Der mittlerweile 77-Jährige hat schon einiges erlebt: Vom Frauenstimmrecht bis zu einer riesen Warteschlange vor dem Abstimmungslokal.

Als Bruno Irniger als Stimmenzähler angefangen hat, da gab es noch kein Frauenstimm­recht, da stürzte die Swissair in Würenlingen ab, hatte Meisterschwanden noch 1512 Einwohner und GC wurde im Entscheidungsspiel gegen den FC Basel Schweizer Fussballmeister. Das war anno 1970. «Die Gemeindeversammlung war damals obligatorisch. Und so war das ganze Dorf anwesend», erzählt Bruno Irniger von den Anfängen. Für das Nichterscheinen gab es sogar noch eine Busse: «Die war jahrelang 3 Franken, aber irgendwann rügte uns der Aargauer Regierungsrat, weil wir zu billig waren. Wir mussten sie auf 5 Franken erhöhen», erzählt der heute 77-Jährige lachend. «Dienstags oder Mittwochs nach der Versammlung kam der Dorfpolizist nach Hause und trieb die Busse ein.» Das änderte sich dann erst ab dem Frauenstimmrecht. «Da konnte man ja nicht mehr verlangen, dass alle zur Versammlung kommen. Wer hätte sonst zu den Kindern geschaut?».

Bruno Irniger ist nicht nur an den Gemeindeversammlungen Stimmenzähler, sondern auch an den Abstimmungen. Nie vergessen wird er den 6. Dezember 1992: Die Abstimmung zum EWR. «Über eine Stunde in Zweierkolonne standen sie an – draussen in der Kälte», blickt der dreifache Vater zurück. «Der Gemeindeammann und ich schauten uns nur an und schüttelten den Kopf.» Erinnern kann sich Irniger auch an einen Sonntagmorgen, als einer der bekanntesten Dorfeinwohner auf die letzte Sekunde noch ins Abstimmungslokal stürmte. «Er sagte mir, dass er extra mit einem Helikopter hergeflogen war, um noch den Abstimmungszettel in die Urne zu legen.»

Seit 50 Jahren ist Bruno Irniger nicht mehr aus dem Gemeindeleben wegzudenken. «Eigentlich war es purer Zufall, dass ich Stimmenzähler wurde», blickt er schmunzelnd zurück. «Die Frei­sinnigen haben mich mal an eine Mitgliederversammlung eingeladen, und seither bin ich Mitglied bei der FDP.» Nicht alltäglich für einen normalen Arbeitnehmer. Bruno Irniger ist gelernter Maschinenmechaniker und arbeitete jahrelang bei Fehlmann in Seengen. Die Gemeindeversammlungen waren früher immer in der alten Turnhalle. «Die Sitzordnung war immer gleich – links der Freisinn und rechts die Bauern und die Sozialisten.» Vielfach waren die Diskussionen lang und laut. «Heute gibt es für alles eine Orientierungsveranstaltung», lacht Irniger.

Das Einzige, was an den Gemeindeversammlungen immer noch gleich ist, ist das Zählen der Stimmen. Und in dieser Disziplin ist er schnell und gut. «Jetzt kann ich ja das Geheimnis verraten, wieso ich so schnell bin,» schmunzelt der 77-jährige verschmitzt. «Ich zähle die, welche die Hand NICHT hochhalten. Und da ich weiss, wie viele in meiner Hälfte sitzen, muss ich dann einfach runterzählen.» Eines ist Bruno Irniger noch nicht: Ortsbürger von Meisterschwanden. «Ich gehöre hierhin und würde nie mehr aus diesem Dorf wegziehen», meint der alteingesessene Meisterschwandener mit glänzenden Augen und beginnt von den einzelnen Dorfgebieten, wie dem Seefeld oder der Egge zu erzählen. Zuhören könnte man ihm noch stundenlang. Und vielleicht wird Bruno Irniger nach 50 Jahren Stimmenzähler doch noch Ortsbürger von Meisterschwanden.

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