Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Der Wundverschluss

Bild: Pixabay

Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten des Hautverschlusses, von Hautklebern und Klammerpflastern, über die vom Chirurgen durchgeführte Naht bis hin zu Klammernähten, die mechanisch appliziert werden.

Die Hautnaht ist der Schlussakkord einer Operation und sollte genauso konzentriert durchgeführt werden wie diese.

Die Durchführung ist von der Lokalisation am Körper abhängig, von der durchgeführten Operation, von der Erfahrung des Chirurgen und auch von der Länge und damit von der Zeit, die es zum Wundverschluss in verschiedenen Techniken braucht.

Am Hals oder an der Schulter bildet der Körper typischerweise sehr breite Narben, so dass man sich hier besonders um eine schöne Nahttechnik, vorzugsweise mit kosmetischen, in der Haut verlaufenden Nähten ohne Ein- und Ausstich bemühen sollte. An anderen Stellen, an denen keine Unterschiede abhängig von der Nahtart bestehen, ist dies nicht so relevant.

Wichtig ist ebenso die Kenntnis der sogenannten Hautspaltlinien. Diese Linien kann man sehr gut über Gelenken sehen, sie existieren aber an der gesamten Hautoberfläche. Schnitte sollten wenn möglich parallel zu diesen Linien durchgeführt werden. Häufig ist dies jedoch nicht möglich, beispielsweise bei der Operation des häufigsten Bruches beim Menschen, dem unteren Speichenbruch am beugeseitigen Handgelenk. Auch bei einem Kniegelenksersatz wird längs über das streckseitige Knie geschnitten und nicht quer wie die Hauspaltlinien verlaufen. Nun ist dies am Knie kosmetisch nicht so relevant wie am meist besser sichtbaren Handgelenk.

Zudem ist bei gleicher Nahttechnik die Narbenbildung von Mensch zu Mensch unterschiedlich und genetisch festgelegt. Manchmal bildet sich auch eine sehr wulstige und z.T. schmerzhafte Narbe, ein sogenanntes Keloid. Hier kann man abhängig von den Beschwerden des Patienten versuchen, eine Ausschneidung durchzuführen (falls die Spannung der Haut danach nicht zu gross ist) und etwas Kortison zu unterspritzen, was die Narbenbildung dämpfen, aber nicht ganz verhindern kann.

Sicher ist es medizinisch wichtiger, wie die Heilung unter der Hautnaht erfolgt, ob z.B. der geflickte Knochen zusammenwächst, das künstliche Gelenk einheilt oder der Blinddarmverschluss hält. Trotzdem ist es in einer Zeit, in der viele Patienten plastische Optimierungen in Anspruch nehmen, nicht unwesentlich, auch in der «richtigen» Medizin, d.h. wo man sich noch mit Patienten und nicht mit Kunden befasst, darauf zu achten, ein für diesen kosmetisch schönes Ergebnis zu erreichen.

Dr. Michael Kettenring