Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Wenn guter Rat teuer ist!

Bild: zvg

Reto H. verletzt sich am ersten Tag seines Skiurlaubs im nahegelegenen Ausland. Bei der Talabfahrt stürzt er. Wegen starker Schmerzen im rechten Sprunggelenk kann er nicht weiterfahren und wird durch die Bergrettung von der Piste und anschliessend weiter in eine Privatklinik gebracht.

Reto H. verletzt sich am ersten Tag seines Skiurlaubs im nahegelegenen Ausland. Bei der Talabfahrt stürzt er. Wegen starker Schmerzen im rechten Sprunggelenk kann er nicht weiterfahren und wird durch die Bergrettung von der Piste und anschliessend weiter in eine Privatklinik gebracht.

Trotz entsprechender Zusatzversicherung für Behandlungen im Ausland erfolgt hier die Behandlung nur gegen Vorlage und Belastung der Kreditkarte. Es wird eine Röntgen- und gleich danach eine Computertomographie sowie eine teure MRI-Untersuchung durchgeführt. Eine Stunde später findet sich Reto H. im Operationssaal wieder ...

So oder so ähnlich passiert es vielen Urlaubern – nicht nur im Winter. Ärzte in den Touristenzentren haben sich auf die jeweilige Hochsaison eingestellt und ihre Praxen und Kliniken mit der entsprechenden Infrastruktur für eine 24-Std.-Notfallversorgung und -Operationsbereitschaft ausgestattet.

Für Patienten ist dabei oft weder ersichtlich, welche Behandlung am Urlaubsort tatsächlich «notfallmässig» erfolgen muss, noch ob es andere Behandlungsalternativen gibt. Längst nicht alle Verletzungen müssen umgehend operiert werden. Häufig reicht als Erstversorgung am Urlaubsort zum Beispiel die Behandlung mit einer Schiene, Bandage oder einem Gips, ohne dass daraus ein Nachteil entsteht. Zumeist ist auch nicht die sofortige Rückreise nach Hause und eine umgehende Vorstellung im Spital erforderlich.

Der (erst-)behandelnde Arzt am Urlaubsort muss ausführlich und verständlich über die Dringlichkeit der Behandlung und über Behandlungsalternativen informieren. Erst dann ist man als Patient in der Lage, die für sich geeignete Therapieform und ggf. den geeigneten Operationszeitpunkt zu wählen. Es lohnt sich hier, so lange nachzufragen, bis alles verständlich erläutert wurde.

Wenn die Operation nicht umgehend im Ferienort erforderlich ist, kann nach der Rückkehr im Heimatort die Vorstellung bei einem Facharzt für Unfallchirurgie erfolgen. Dieser beurteilt dann die Situation erneut und erläutert seinerseits die erforderlichen Massnahmen für ein optimales Behandlungsergebnis. Sollte eine Operation erforderlich werden, so kann diese zeitnah erfolgen und die Nachbehandlung durch denselben Arzt erfolgen.

Zeitnahe Sprechstundentermine können heutzutage problemlos durch Kontaktaufnahme schon aus dem Urlaub telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden.

 

Dr. Bernd Heinrich
Facharzt für Orhtopädie und Unfallchirurgie