Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Zu viele Ausländer?

Bild: Pixabay

Seit meine Familie und ich uns vor mehr als zehn Jahren im oberen Wynental niederliessen, beschäftigt sich die Schweiz und auch die Region immer wieder mit der Frage, ob es in der Schweiz zu viele Ausländer gäbe. Und falls ja, was man dagegen tun könne.

Im Gesundheitssektor zumindest – und meines Erachtens eben auch in anderen Branchen – ist es relativ einfach. Man findet häufig keine Schweizer mehr, die einerseits in bestimmten Berufen arbeiten, andererseits auf dem Land leben wollen. Und dies betrifft nicht nur das obere Wynental. Andererseits hat – man muss leider inzwischen sagen hatte – das obere Wynetnal für eine ländliche Region relativ viel Industrie. Für die einfacheren Tätigkeiten fand man meist nur Ausländer.

Mein Vorgänger Dr. Jürg Steiner suchte mehrere Jahre nach einem möglichst eidgenössischen Nachfolger, ohne jemanden zu finden. Die Schweizer Ärzte möchten in den grösseren Städten arbeite. Das gilt häufig auch für das Pflegepersonal – und sicher nicht nur für den Gesundheitssektor. Diese Entwicklung ist extrem schade und wird durch das mediale Auftreten von aus dem Wynental abgewanderten Politikerinnen nur noch verstärkt. Populistische Politik – um im chirurgischen Bild zu bleiben – legt zwar immer mal wieder die Finger in die Wunde, trägt aber nie zur Heilung bei, da ihre therapeutischen Antworten viel zu einfach sind.

Sicher, es gibt Probleme. Man darf diese nicht kleinreden und muss sich mit ihnen befassen. Bekommen Kinder jedoch von zu Hause Werte vermittelt wie die unbedingte Gleichberechtigung von Mann und Frau – und wird dies auch durch die Schule so gelebt, was bei uns im Falle Menziken immer der Fall war –, so geht Integration in die richtige Richtung und nicht in die falsche.

Die Schweiz ist wohl das Land, welches europaweit die Integration am besten bewerkstelligt. Nicht umsonst wird auch meine Familie nach zehn Jahren (früher ging es leider nicht) demnächst die Schweizer Staatsbürgerschaft beantragen. Viele Ausländer, ob schon eingebürgert oder noch nicht, ob Secondos oder Menschen mit einem zeitlich früheren Migrationshintergrund, arbeiten am Spital Menziken und machen dort einen klasse Job. Sie arbeiten dort neben Schweizern, und ich habe in 10 Jahren keine grösseren Probleme gesehen. Für alle diese Mitarbeiter ist nämlich jeder Mensch gleich, egal welcher Nationalität, Hautfarbe oder Religion er angehört.

 

Dr. med. Michael Kettenring
Facharzt FMH für Chirurgie und Unfallchirurgie