Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Computernavigation als Hilfsmittel in der Kniechirurgie

Bild: zvg

Man kennt es vom Autofahren. Navigationssysteme erleichtern uns heute die Routenfindung und erlauben uns, auch einmal einen Stau zu umfahren. Man fährt aber zu jeder Zeit immer selbst.

Ähnlich verhält es sich mit dem computerassistierten Einsetzen von künstlichen Kniegelenken. Die Operation läuft eigentlich wie immer ab, mit der Ausnahme, dass vielleicht ein etwas kleinerer Schnitt gemacht werden kann. Ansonsten gibt man dem Navigationssystem, was ca. 2 m vom OP-Tisch entfernt steht und aus einer Infrarotkamera und einem angeschlossenen Computer mit spezieller Software besteht, über ein Zeigeinstrument (Pointer) genaue Informationen über definierte anatomische Landmarken am Knie sowie am ganzen Bein. Die Software berechnet daraus ein virtuelles Modell des Beins sowie noch viel genauer des Kniegelenks und hilft damit dem Operateur, BEVOR er die Knochenschnitte macht, die für das Einsetzen des künstlichen Kniegelenks notwendig sind, das Ergebnis schon am Computer zu sehen. Andererseits können die entsprechenden Schnitte auf das halbe Grad und den halben Millimeter genau gemacht werden, was ohne Navigation nicht möglich wäre.

Ein weiterer Vorteil des Systems besteht in der Berücksichtigung der Bandspannung des Kniegelenkes. Diese ist für den Operationserfolg mitentscheidend. Beim Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks werden zumindest die Seitenbänder belassen. Dass diese in Beugung und Streckung des neuen Kniegelenks in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, ist essentiell. Diese Bandspannungen werden mit der Navigation ebenfalls gemessen und die Schnitte am Knochen durch die Software so angepasst, dass die Straffheit der Bänder im neuen Kniegelenk optimal ist.

Kommen wir wieder aufs Autofahren zurück. Auch das beste Navi macht aus einem untalentierten Autofahrer keinen guten. Aber Routine und viel Übung.

Genauso verhält es sich bei der Unterstützung einer Operation durch ein Navigationssystem. Es hilft dem Operateur, die Operation optimal durchzuführen. Ich selbst habe inzwischen 12 Jahre Erfahrung mit dem System und führe JEDE Implantation eines künstlichen Kniegelenkes mit diesem System durch.

 

Dr. med. Michael Kettenring
Facharzt FMH für Chirurgie und Unfallchirurgie