Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Der Ersatz des Kniegelenks

Bild: zvg

Das Kniegelenk ist ein Scharniergelenk, es besteht aus den Gelenkflächen von Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe.

Diese Oberflächen sind mit Knorpel überzogen, um die Reibung der Gelenkpartner untereinander möglichst gering zu halten. Der Knorpel unterliegt im Laufe der Jahre einem gewissen Verschleiss. Fördernd ist eine gewisse familiäre Disposition, Übergewicht, eine nicht gerade Beinachse und Bandverletzungen. Wenn der Knorpel verbraucht ist, entwickelt sich eine Arthrose. Dies verursacht Schmerzen, die anfangs noch mit bestimmten Medikamenten behandelt werden können. Langfristig und bei deutlicher Einschränkung der Lebensqualität hilft dann nur noch das künstliche Gelenk. Dies ist jedoch genau wie beim künstlichen Hüftgelenk ein Wahleingriff, d.h. der Patient – und er allein entscheidet – wann solch ein Eingriff durchgeführt wird, wann es sozusagen «soweit ist».

Wenn der Patient

  • zunehmende belastungsabhängige Schmerzen klagt
  • nur noch kürzere Wege zu Fuss zurücklegen kann
  • nachts vor Schmerzen aufwacht
  • ausschliessen kann, dass die Beschwerden von Problemen im Bereich der Hüfte herrühren

 ... dann ist er wohl ein Kandidat für die Implantation eines künstlichen Gelenkes.

Ein künstliches Kniegelenk ist der Ersatz der natürlichen Oberflächen von Oberschenkel und Schienbein. Sollten massive Probleme im Bereich der Kniescheibe bestehen, kann die Rückfläche dieser ebenfalls ersetzt werden. Die Oberflächen von Schienbein und Oberschenkel werden durch Metallaufsätze (Titan) ersetzt, die Gleitfläche am Schienbein durch einen Polyethylenaufsatz (Kunststoff).

Die Stabilisation erfolgt durch die eigenen Kniebänder, die Bewegung durch die eigene Muskulatur. Die Befestigung auf dem Knochen erfolgt mit oder ohne Knochenzement (eine Art Klebstoff), meist wird der Oberschenkelanteil ohne Zement verklemmt (press-fit), der Schienbeinersatz wird meist zementiert, da hier eine Verklemmung problematischer sein kann. Für die zementfreie Implantation ist die Rückseite des Implantates mit einer speziellen Oberfläche versehen, sodass sie schnell in den Knochen integriert werden kann.

Die Operation dauert etwa 2 Stunden. Wichtig bei der Operation ist vor allem die Wahrung absoluter Sterilität, um eine Infektion zu verhindern. Die abgenutzten Gelenkoberflächen werden in einer bestimmten Reihenfolge bearbeitet, so dass das künstliche Gelenk der entsprechenden Grösse gut auf den Knochen angepasst werden kann. Arthrosebedingte X- oder O-Beine sollten während der Operation korrigiert werden. Ein Hilfsmittel hierzu ist auch die sogenannte Navigation, bei der mittels Computerunterstützung die Prothese genau der Beinachse bzw. dem Knochen angepasst werden kann.

Nach der Operation bleibt der Patient noch ca. 1 Woche im Spital. Wenn er sicher mobil ist, schliesst sich eine ambulante Rehabilitation mit regelmässigen Kontrollen beim Operateur an.

 

Dr. Michael Kettenring