Drucktermin: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Der Leistenbruch

Bild: James Heilman, MD / CC BY-SA 3.0

Bei einem Leistenbruch handelt es sich um eine Schwäche der Bauchdecke im Bereich der Leiste. Entweder angeboren oder erst erworben, entwickelt sich eine Schwachstelle, eine Lücke, durch die Bauchinhalt – meist Darm – durch die Bruchpforte nach aussen dringt.

Die Gefahr besteht in einem Einklemmen des Bruchinhalts. Das heisst, es geht soviel Bauchinhalt durch die Bruchpforte, dass es kein Vor und kein Zurück mehr gibt. Wenn sich dann noch durch das Einklemmen eine Durchblutungsstörung entwickelt, ergibt sich ein chirurgischer Notfall, der häufig in einer Darmteilentfernung mit den entsprechenden Risiken endet.

Deshalb sollte JEDER Leistenbruch operiert werden. Durch die heutigen Operations- und Anästhesietechniken kann man auch bei älteren Patienten in sicherer Art und Weise eine Behebung des Bruches durchführen.

Hierzu gibt es verschiedene Methoden:
Früher vernähte man nach Durchführung eines offenen Leistenschnitts die verschiedenen Bauchwandschichten so miteinander, dass man die betreffende Lücke verkleinerte. Da aber durch die gleiche Lücke noch die Gefässe und Nerven für die Hodenversorgung austreten, wollte man die Lücke nicht zu eng nähen. Das hatte wiederum zur Folge, dass bis zu 20% der Brüche nach einiger Zeit wieder auftraten.

Seit etwa 15 Jahren nimmt man deshalb standardmässig Kunststoffnetze, um den Leistenkanal zu verstärken. Mit diesen ist es zu einer Reduzierung des Wiederauftretens auf etwa 3% gekommen.

Diese Netze kann man offen einbringen oder über den Nabel per Schlüssellochtechnik. Das Einbringen von innen hat verschiedene Vorteile. Zum einen sind die Schmerzen nach der Operation deutlich reduziert, d.h. man kann normalerweise früher belasten, früher beispielsweise Sport treiben. Zum anderen entfallen Narbenschmerzen, da in der Leiste gar kein Schnitt mehr durchgeführt wird. Gerade bei beidseitigen oder wieder aufgetretenen Brüchen hat das Verfahren Vorteile.

Das auch von mir favorisierte Operationsverfahren hat jedoch den Nachteil, dass man hierzu eine Vollnarkose braucht. Offene Operationen können noch mit einer sogenannten Spinalanästhesie, d.h. Rückenspritze durchgeführt werden, ohne dass man eine komplette Narkose benötigt.

Somit muss man mit jedem Patienten individuell besprechen und entscheiden, welches Verfahren angewandt wird.

Die Nachbehandlung unterscheidet sich nicht sehr. Die Auflage, 6 Wochen nichts zu heben und zu tragen, gehört ebenso der Vergangenheit an wie Gewichtslimite oder der Verzicht auf Sport.

 

Dr. Michael Kettenring

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