Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Chirurgie durchs Schlüsselloch

Bild: zvg

In den letzten 20 Jahren haben die Operationen über kleine Schnitte, sei es an Gelenken, im Bauchraum, im Brustraum oder auch an der Wirbelsäule einen medizinischen Quantensprung möglich gemacht.

Viele Krankheiten sind heute viel schonender chirurgisch zu behandeln wie noch vor 30 Jahren. Häufig ist das, was man im «Innenleben» des Patienten tut, noch ähnlich oder gleich. Jedoch muss man ihn häufig hierfür nicht mehr «aufschneiden», sondern entfernt z.B. die Gallenblase oder Meniskusanteile über kleine Schnitte.

Über diese kleinen Schnitte werden kleine Schleusen, sogenannte Trokare, in den Körper eingebracht, über die die langen, stabförmigen Instrumente sowie eine dünne, stabförmige Kamera zum OP-Gebiet gebracht werden.

Wichtig ist hierbei, dass die Operation durchs Schlüsselloch mindestens genau so gute Ergebnisse haben muss wie das vergleichbare offene Vorgehen. Kleine Zugänge heisst also nicht unbedingt immer besser, der Chirurg braucht für manche Operationen auch eine gute Sicht. Wenn ich dies durch kleine Schnitte ebenfalls erreichen kann, wird das Ergebnis der Operation meist besser sein.

Durchgesetzt hat sich das Vorgehen über kleine Zugänge sicher für Gallenblasenoperationen oder die Blinddarmentfernung sowie für die Behebung von Leistenbrüchen oder Darmteilentfernungen bei der Divertikelerkrankung. Aber auch andere Bauchwandbrüche lassen sich inzwischen über kleine Zugänge gut versorgen.

Weiterhin ist heute die Gelenkchirurgie mittels Spiegelung (Arthroskopie) nicht mehr wegzudenken. Der Meniskus, der Stossdämpfer im Kniegelenk, kann schon lange problemlos per Spiegelung entfernt oder teilentfernt werden, selbst Kreuzbänder können schon lange rein arthroskopisch eingesetzt werden. An der Schulter können inzwischen nicht nur Sehnen «durch das Schlüsselloch» rekonstruiert werden, sondern auch andere Strukturen, wie die abgerissene Gelenklippe als Folge einer Schulterausrenkung.

Für all diese Operationen sind meist bestimmte Instrumente bzw. auch Nahtanker, Schrauben und andere Materialien erforderlich, die sich die Medizinindustrie fürstlich bezahlen lässt. Ein Mosaikstein, warum die Gesundheitskosten immer weiter steigen.

Der Chirurg selbst ist natürlich gewillt, seinen Patienten die bestmögliche Therapie zu Verfügung zu stellen. Hierfür muss er sich ständig fort- und weiterbilden, um technisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Dies ist jedoch auch ein interessanter Teil jedes Berufes, nicht nur dem des Chirurgen.

 

Dr. Michael Kettenring