Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Wartezeiten im Spital

Bild: zvg

Eine Tatsache, über die man als Spitalvertreter gerne hinwegsieht, die aber für Patienten zugegebenermassen nervig ist, sind Wartezeiten im Spital. Hier meine ich vor allem die Wartezeiten als Notfall.

Die Wartezeiten in einem Regionalspital sind einerseits zwar kürzer als in einem Zentrumsspital, aber dennoch zum grossen Teil länger als noch vor 10 Jahren.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Der Hauptgrund ist: Immer mehr Patienten frequentieren die Spitäler im Notfall. Mehr Patienten bei gleichbleibender oder auf Kostendruck und gesetzlicher Arbeitszeitregelung reduziertem medizinischen Notfallpersonal bedeutet gleichzeitig mehr Wartezeit.

Auch aus versicherungsrechtlichen Gründen ist die Notwendigkeit der Dokumentation in den vergangenen Jahren viel zeitintensiver geworden. Wo früher noch ein handgeschriebener Brief oder ein Rezept ausgereicht hat, muss heute aus rechtlichen Gründen deutlich mehr dokumentiert werden. Dies kostet Zeit. Zeit, die letztendlich der Patientenversorgung bei eh schon aus o.g. Gründen reduziertem Personal fehlt.

Spitäler versuchen dem durch optimierte Notfallorganisation Herr zu werden. Das System stösst jedoch an Grenzen. Irgendwann lassen sich auch mit optimaler Organisation nicht immer mehr Patienten ohne oder mit tolerabler Wartezeit versorgen.

Zudem findet man heutzutage nicht immer ausreichend qualifiziertes Personal: Notfallpersonal, ob ärztlich oder pflegerisch, ist rar. Die Schweiz bildet sowohl zu wenig Ärzte als auch Pflegekräfte aus. Sie muss sie deshalb aus dem Ausland, vorzugsweise Deutschland rekrutieren. Aus diesem Grund sprechen ganze Abteilungen in Spitälern schon seit vielen Jahren hochdeutsch. Aber auch diese Personalressource ist weitestgehend erschöpft, so dass sich die Patienten zunehmend an einen süd- oder osteuropäischen Akzent gewöhnen werden müssen ...

... und an Wartezeiten

Aber:
Man könnte ja dafür sorgen, dass es weniger Patienten gibt, die direkt zu den Notfallstationen der Spitäler gehen. Dies ist nur möglich, wenn die Patienten wie früher primär ihren Hausarzt als Lotse im Gesundheitssystem kontaktieren. Es gibt aber leider immer weniger, vor allem im ländlichen Gebiet. Aber dies ist auch eine politische Entscheidung. Mehr Ärzte ausbilden, die Hausarztmedizin politisch unterstützen, den Beruf des Hausarztes wieder attraktiver machen, ist zumindest ein Lösungsansatz.

 

Dr. Michael Kettenring