Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Der Bruch des Schlüsselbeins

Bild: zvg

Das Schlüsselbein verbindet den Brustkorb mit dem Arm. Es ist über zwei straffe Gelenke einerseits mit dem Brustbein, andererseits mit dem Schulterblatt verbunden. Bricht es durch einen Sturz auf die Schulter, kommt es durch die verschiedenen Muskelansätze häufig zu einem gegenseitigen Verschieben der einzelnen Knochenfragmente.

Starke Schmerzen bei fast jeder Bewegung und eine Verkürzung der Schulterkontur sind meist der Fall. Ziel der Behandlung sind einerseits die Bruchheilung, andererseits die Wiederherstellung einer normalen Schultersilhouette. Ersteres lässt sich in den allermeisten Fällen auch ohne Operation, durch die Anlage eines sogenannten Rucksackverbandes erreichen. Dieser Verband muss so angelegt werden, dass er die Schulter derart nach hinten drückt, so dass es vorne zum Schlüsselbein genug Raum gibt, so dass sich die einzelnen Bruchstücke aneinanderlegen und so zusammenheilen können.

Resultieren können jedoch deutliche Verkürzungen und «Buckel» über dem Schlüsselbein, die jedoch über die Jahre zurückgehen.

Entschliesst man sich zu einer Operation, hat dies Vor- und Nachteile Meist sind nach einer OP die Schmerzen besser, die Beweglichkeit des Armes früher gegeben. Der Knochen heilt in der natürlichen, anatomischen Stellung aus. Nachteilig sind die Narbenbildung, die allgemeinen Risiken einer Operation (Infektion, Narkose, Verletzung umgebender Strukturen) und die Notwendigkeit der Materialentfernung nach Ausheilung des Bruches.

Heute besteht auch die Möglichkeit, über einen kleinen Schnitt (5 mm) einen Nagel in das Schlüsselbein einzubringen, der keine grosse Narbe hinterlässt. Ansonsten gibt es heute der Schlüsselbeinform angepasste Platten, die aber einen grösseren Operationszugang notwendig machen. Zusammenfassend muss bei jedem Bruch individuell entschieden werden, ob ohne oder mit Operation behandelt wird. Die Lokalisation des Bruches am Schlüsselbein, die Anzahl und Verschiebung der einzelnen Fragmente zueinander und der Anspruch des Patienten müssen in die Entscheidung einfliessen.

Bei meinem Sohn (Bild 2) entschieden wir uns beispielsweise für eine Operation, da der Bruch sehr schmerzhaft war und die einzelnen Stücke stark gegeneinander verschoben waren. Glücklicherweise gelang dies mit einem dünnen Nagel, der nun im Knochen liegt und nach ca. 3 bis 4 Monaten durch einen kleinen Schnitt wieder entfernt werden kann.

 

Dr. Michael Kettenring