Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Moderne Knochenbruchbehandlung

Bild: zvg

Im Rahmen des Notfalldienstes ist die Behandlung von Knochenbrüchen sehr häufig. Hierbei gibt es sehr «häufige» Brüche wie z.B. den Handgelenksbruch oder Knöchelbruch, aber auch seltene Brüche wie den Fersenbeinbruch oder den Bruch des Kahnbeins an der Hand.

Es gibt «einfache» und komplizierte Knochenbrüche. Und nicht jeder «einfache» ist in jedem Alter einfach. Knochenentkalkung, also Osteoporose kann aus einem einfachen Bruch durchaus einen kompliziert zu versorgenden machen.

Die Behandlung der Knochenbrüche hat in den letzten 12 bis 15 Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Die Ergebnisse sind durch den Einsatz sogenannter winkelstabiler Implantate extrem verbessert worden. Die Fixierschrauben, welche die Platte an den Knochen fixieren, lockerten früher häufig aus. Dies ist durch die Entwicklung neuer Plattensysteme wesentlich besser geworden. Vereinfacht ausgedrückt sind die Implantate heute schmaler, aber dennoch stabiler. Für viele Körperregionen gibt es inzwischen formangepasste, d.h. der Anatomie des Knochens nachgeformte Implantate, welche wenig «auftragen» und so weniger störend sind.

Heilen muss der Knochen aber weiterhin von selbst. D.h. die moderne Unfallchirurgie kann zwar den Knochen wieder so einrichten und fixieren, dass die besten Voraussetzungen für eine Knochenbruchheilung bestehen. Die Heilung selbst vollzieht jedoch der Organismus selbst. Jede gerauchte Zigarette beispielsweise vermindert die Durchblutung im Bereich des Knochenbruches signifikant.

Ziel einer operativen Knochenbruchbehandlung ist im Vergleich zur Behandlung ohne Operation meist die frühzeitigere Wiederherstellung der Beweglichkeit. Sollte der Bruch beispielsweise verschoben sein, ist meist eine Operation notwendig, um den Bruch einzurichten und die gerichteten Fragmente durch Implantate, z.B. Platten, Schrauben oder Nägel an ihrer Position zu halten. Ist der Bruch nicht verschoben und eine weitere Verschiebung auch unwahrscheinlich, kann durchaus auch heutzutage mit Ruhigstellung im Cast (Kunststoffgips) behandelt werden.

Jede Knochenbruchbehandlung ist also abhängig vom Bruch, von der Verschiebung, vom Alter und Anspruch des Patienten, von den sonstigen körperlichen Gegebenheiten (z.B. Diabetes, Durchblutungsstörungen, Möglichkeit zu entlasten) eine individuelle Entscheidung und muss mit jedem Patienten besprochen werden.

Durch die insgesamt jedoch heute besseren Versorgungsmöglichkeiten auch für komplexe Situationen haben sich die Ergebnisse der operativen Therapie deutlich verbessert. Wie alles in der Medizin hat aber auch dies seinen Preis. Kostete beispielsweise früher eine Fixierschraube aus Stahl etwas 4 Franken, kostet heute eine winkelstabile Titanschraube 40 bis 60 Franken. Die Politik, letztendlich die Gesellschaft muss entscheiden, ob sie diesen medizinischen Fortschritt bezahlen möchte oder nicht. Wir als Ärzte sind gewillt, unseren Patienten das für diesen Fall am besten geeignete Implantat zur Verfügung zu stellen.

 

Dr. Michael Kettenring

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