Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Giardien: immer wieder Durchfall

Bild: zvg

Immer wieder werden uns Tiere mit wiederkehrendem Durchfall vorgestellt. Dabei kommen diverse Ursachen in Frage. Neben fütterungsbedingen Gründen (z. B. Futtermittelunverträglichkeiten oder gar -Allergien) muss dabei auch an Giardien gedacht werden.

Giardien sind sogenannte Einzeller. Sie befallen als Parasit den Dünndarm und werden mit den gängigen Entwurmungsmedikamenten nicht abgetötet. Giardien sind sogenannt fakultativ pathogen. Das bedeutet, dass befallene Tiere nicht unbedingt klinisch erkranken, also keinen Durchfall haben. Solche Tiere werden stille Träger genannt und verbreiten den Erreger in der Umwelt, wo sich andere Tiere anstecken können (z. B. durch Aufnahme von kontaminiertem Wasser). Durchfall, manchmal auch Erbrechen, entsteht, wenn einerseits der Infektionsdruck zu gross wird, also eine sehr grosse Menge an Giardien vorhanden ist, oder aber wenn das Tier geschwächt, also immunsupprimiert ist. Ein häufiger Grund stellt dabei ein Besitzerwechsel dar, vor allem wenn Welpen aus der Zucht an die neuen Besitzer abgegeben werden. Wenn die Mutter ein stiller Träger ist, steckt sie die Welpen an. Sobald dann die Welpen aus der Obhut der Mutter und aus der gewohnten Umgebung an den neuen Besitzer abgegeben werden, bedeutet dies einen nicht zu unterschätzenden Stress für das junge Tier. Dazu kommt oft noch ein Futterwechsel, was eine Belastung für die Verdauung darstellt. Durch all diese Faktoren können sich die Giardien dann vermehren und Durchfall auslösen. Falls in einem solchen Fall Giardien festgestellt werden, z. B. über einen Schnelltest vom Kot in der Praxis, lohnt es sich, den Züchter zu informieren. Wichtig ist dabei, dass man dem Züchter keinen Vorwurf macht, da er meistens gar nicht wissen kann, dass die Mutter befallen war! Aber man kann die anderen Welpenbesitzer informieren, dass man bei Durchfallerkrankungen an Giardien denken sollte. Und falls die Mutter weiter zur Zucht verwendet wird, sollte man auch sie testen und allenfalls behandeln. Bei erwachsenen Tieren können sich Giardien vor allem opportunistisch vermehren, das heisst als Folge einer anderen (Durchfall-) Erkrankung wie z. B. virale Infektionen.

Die Behandlung ist nicht immer ganz einfach, da oft Therapieresistenzen auftreten. Daher lohnt sich nach beendeter Therapie immer eine Nachtestung des Kots auf Giardien. Oft müssen alle Tiere des Haushalts behandelt werden, auch wenn nicht alle an Durchfall erkrankt sind, um Reinfektionen zu verhindern. Giardien besitzen auch ein zoonotisches Potential, d. h. auch der Mensch kann sich anstecken. Die Gefahr ist nicht allzu gross, aber vor allem bei Kindern und geschwächten Personen (z. B. unter Chemotherapie) kann der Erreger auch beim Menschen Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen auslösen.

 

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster
www.kleintierpraxiskueng.ch

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