Drucktermin: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Leptospirose – Die Gefahr lauert in Tümpeln

Bild: zvg

«Ui Bella, du siehst heute aber nicht so gut aus!» Irritiert beobachtete ich Bella, wie sie mit eingezogenem Schwanz und traurigen Augen ins Sprechzimmer schleicht und sich gleich hinlegt.

Eigentlich erwartete ich einen kleinen Wirbelwind, der um Guteli bettelt und gestreichelt werden will. «Sie hat heute bereits viermal erbrochen und ist ganz apathisch», meint ihre Besitzerin. Bella kriegte eine Infusion und die Blutwerte wurden überprüft. Beim Abtasten und im Röntgen wurde kein Darmverschluss infolge verschluckten Fremdkörpers festgestellt, was bei jungen Labradoren besonders gefürchtet ist. Beim Blutuntersuch wurden erhöhte Nierenwerte festgestellt. «Wie kann mein junger Hund bereits ein Nierenproblem haben?» Die häufigste Ursache für akut erhöhte Nierenwerte beim Hund in der warmen Jahreszeit ist die Leptospirose. Die Hunde trinken aus Tümpeln, deren Wasser durch Nagetiere mit Bakterien verunreinigt wurde. Natürlich können sich die Hunde auch beim Mäusefangen anstecken. Für Katzen besteht zum Glück keine Ansteckungsgefahr.

Nach der Ansteckung zeigt der Hund nach ca. 3 bis 8 Tagen erste Krankheitssymptome, v.a. Erbrechen, schlechter oder fehlender Appetit und Apathie. Aber auch Fieber und Durchfall können entstehen, seltener infolge Lungenblutungen sogar Atemprobleme.

Die Leptospirose ist auch eine sogenannte Zoonose, kann also auch den Menschen befallen. Dieses zoonotische Potenzial ist eher gering, aber bei der Behandlung sollte man sich mit Handschuhen schützen.

«Aber ich dachte, Bella sei gegen Leptospirose geimpft?!?» Zurecht war die Besitzerin von Bella nach der Diagnosebestätigung irritiert. Das Problem ist, dass es verschiedene Leptospirenarten, sogenannte Stämme, gibt. In der Schweiz sind ca. 10 Stämme relevant. Die damalige Imfung schützte nur gegen zwei Arten. Seit letztem Sommer gibt es einen neuen Impfstoff, der immerhin schon 6 Arten abdeckt, darunter neu auch die zwei gefährlichsten Stämme, gegen die früher nicht geschützt werden konnten. Eine Ansteckung ist also trotz Impfung möglich, mit der neuen Impfung wird der Hund aber deutlich besser geschützt (siehe auch Information unter «Aktuelles» auf unserer Homepage www.kleintierpraxiskueng.ch).

Bella wurde an eine Klinik überwiesen, wo eine 24-Std.-Überwachung gewährleistet wird. Ihr Zustand war derart schlecht, dass sie später sogar noch zur Dialyse (Blutreinigung) ins Tierspital Bern musste. Nur dank der aufwändigen Therapie hat sie überlebt und ist unterdessen wieder der Wirbelwind, den wir von früher kannten!

 

Dr. med. vet. Raphael Küng, Kleintierpraxis Dr. S. Küng AG, Beromünster
www.kleintierpraxiskueng.ch

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