Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Magendrehung beim Hund

Bild: zvg

Samstagmorgen, 6.00 Uhr, das Notfalltelefon klingelt. Ein junger Mann aus der Nachbarschaft berichtet, dass er eben nach Hause kam und er ihre 8-jährige Rhodesian-Ridgeback-Hündin speichelnd, sowie mit einem grossen Wasserbauch angetroffen habe. Die Eltern seien fürs Wochenende verreist. «Hast du ein Auto zur Verfügung und kannst du fahren?» frage ich ihn noch, bevor wir uns 5 Minuten später in der Praxis treffen.

Die beschriebenen Symptome passen eindeutig zu einer Magendrehung, welche möglichst schnell in einer Tierklinik operiert werden muss und daher nehme ich gleich unser Auto mit in die Praxis. Der erste Augenschein bestätigt denn auch den Verdacht. Nicht Wasser, aber sehr viel Luft/Gas befindet sich im Magen, welcher sich wegen der Drehung um die Längsachse nicht mehr entleeren kann. Speichel kann nicht abgeschluckt werden und der Druck vom aufgegasten Magen auf die Blutgefässe und das Zwerchfell nimmt immer mehr zu. Dies behindert den Blutrückfluss zum Herzen, was zu einem Kreislaufversagen/Schock führen kann. Die Durchblutungsstörung kann die Magenwand schädigen (Nekrose) und zu Toxinbildung im Körper führen. Bekommt auch das Herz selbst zu wenig Blut, reagiert es mit Rhythmusstörungen, was auch nach geglückter Operation noch zu Komplikationen führen kann. Der Ridgeback-Hündin wurde eine Infusion gelegt, um den Kreislauf zu stabilisieren und dem jungen Mann drückte ich den Autoschlüssel in die Hand, nachdem der Weg zur Klinik erklärt war. Zügig, aber unter Einhaltung aller Verkehrsregeln, ging die Reise dann – mit Hund im Gepäckabteil und der Partnerin mit hochgehaltener Infusionsflasche in der Hand – in die Tierklinik, wo ich die Patientin bereits telefonisch angemeldet hatte. Wieso eine Magendrehung auftritt, weiss die Wissenschaft noch nicht mit Sicherheit. Immer wieder gibt es Erklärungsversuche, die dann später wiederlegt werden. Sicher ist, dass sich der Magen zuerst weitet (Magendilatation) und erst danach dreht. Es sind grosse Hunderassen (> 20 kg) im 3. Lebensabschnitt häufiger betroffen, auffällig auch eher ängstliche Hunde und solche mit tiefem Brustkorb. Auch ein durch Vererbung erhöhtes Risiko wird diskutiert. Es wird empfohlen den Hund 3x täglich und vom Boden aus zu füttern, sowie danach ruhen zu lassen, obwohl die Wirksamkeit dieser Massnahmen nicht bewiesen ist. Vorbeugend kann der Magen operativ an der Bauchwand fixiert werden (z. B. anlässlich einer Routineoperation, wie der Kastration der Hündin). Der betroffenen Hündin konnten wir dank der korrekten Reaktion des jungen Mannes und der schnellen Operation in der Tierklinik nach 10 Tagen bei bestem Allgemeinzustand die Fäden ziehen.

Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. Küng, 6215 Beromünster, www.kleintierpraxiskueng.ch

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