Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 06.00 Uhr

Das Museum Schneggli heute (links) und auf dem Gemälde von Walter Haller, welches der Reinacher Typograf, Grafiker und Maler nach dem Brandfall 1999 gemalt hatte und welches das Ausmass des Brandes äusserlich eindrücklich zeigt.

Schneggli-Brand: Als Reinach vor dem Untergang stand

Text und Bild: Thomas Moor

Anstossen auf einen denkwürdigen Tag und an einen gelungenen, wenn auch aufwändigen Wiederaufbau: Das war am 13. August im Museum Schneggli angesagt. Genau vor 20 Jahren zerstörte ein Brand (ausgebrochen bei der Firma Voco Draht AG) auch Teile des historischen Schneggli-Gebäudes.

Man mag ja abergläubisch sein oder nicht. Allgemein soll der Freitag, der 13., ein Tag sein, an welchem besonders viele Unglücke passieren. So gesehen ging auch der Freitag, der 13. August 1999 als rabenschwarzer Tag in die Geschichte von Reinach ein. Bei der Firma Voco Draht AG brach kurz nach 13.00 Uhr ein Grossbrand aus. Der wegen des herrschenden Windes verursachte Funkenwurf griff in der Folge auch auf das benachbarte Museum Schneggli über und richtete dort beträchtlichen Schaden an. Der historische Dachstuhl stand innert kürzester Zeit in Vollbrand, fiel später sogar auseinander.

Verschiedene Zeitzeugen und Beteiligte erinnerten sich am 20. Jahrestag noch an die Brandkatastrophe, als obs gestern gewesen wäre. Allen voran Ursula Rüesch von der Vereinigung Museum Schneggli. Auf dem Weg zur Arbeit (der Alarm war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgelöst) sah sie die Flammen aus dem Gebäude der Voco Draht AG schlagen und Richtung Schneggli züngeln. Dass ihr bei diesem Anblick Angst und Bange wurde, versteht sich von selbst. War doch für die bevorstehende 25-Jahr-Jubiläumsausstellung alles angerichtet, die Räume mit geschichtsträchtigen Unikaten (Möbel, Trachten etc.) gefüllt. Exponate, die man von verschiedenen Besitzern für die Ausstellung zur Verfügung gestellt bekam. Für einen kurzen Augenblick gab die Feuerwehr an diesem Nachmittag grünes Licht, um das Gebäude kurz zu betreten. «Wir stürmten ins Innere und was uns in die Finger kam, haben wir eiligst aus den Fenstern geschmissen. Das Bauamt hat die Ware dann am Strassenrand aufgeschichtet», wie sich Ursula Rüesch erinnert.

Ja, die verschiedenen, bei diesem Ereignis im Einsatz stehenden Feuerwehren waren an allen Ecken und Enden gefordert. Das weiss niemand besser als der damalige Kommandant der Feuerwehr Reinach, Joe Habermacher. Die Löscharbeiten hätten sich schwierig gestaltet, wie er erzählte. Bis tief in die Nacht wurde auf dem Brandplatz gearbeitet, ehe er die Leute (bis auf die obligate Brandwache) für eine kurze Erholung nach Hause schickte. Die Aufräum- und Sicherungsarbeiten dauerten übrigens bis in den Sonntag hinein. Mit den Feuerwehren Reinach, Stützpunkt Menziken, FW Burg, FW Pfeffikon, FW Beinwil am See, BFW Alu Ind. AG, Chemiewehr Siegfried Zofingen, Stützpunktfeuerwehr Wohlen, einem Chemiefachberater, Verkehrspolizei, ZSO Reinach und Gontenschwil standen total 265 Einsatzkräfte bei der Bewältigung dieses Grossereignisses auf Platz.

Im Dienste der Feuerwehr Reinach stand auch Martin Hofmann, Zimmermann und Spezialist für Hochstudhäuser. «Als im April dieses Jahres die Notre Dame in Paris brannte, wurden bei mir die Erinnerungen an den Schnegglibrand wieder wach», wie er sagte. Auf dem Weg zum Einsatz bekam Hofmann die Meldung, Reinach gehe unter. Und tatsächlich hatte die gespenstische Stimmung mit der grossen schwarzen Rauchsäule etwas mit Weltuntergangsstimmung zu tun. In Reinach herrschte das Chaos. Noch während seine Feuerwehrkollegen damit beschäftigt waren, dem Feuer Herr und Meister zu werden, hatte der gelernte Zimmermann die Gelegenheit, sich mit der ADL (insgesamt standen drei Autodrehleitern im Einsatz) einen ersten Überblick über das Ausmass des Brandes beim Schneggli zu verschaffen. Und? «Ich sah das Schneggli untergehen», wie der Spezialist für historische Bauten in seinen Ausführungen sagte. Hofmann war anschliessend massgeblich an der originalen Rekonstruktion des historischen Dachstuhles beteiligt. Da keine Pläne vom Dachstuhl existierten, wurden die verkohlten Balken in die Halle der Vereinigten Schreinereien AG Menziken transportiert, wo anschliessend mit einem Riesenpuzzle an Brandteilen die Rekonstruktion des Dachstuhls begann. Auch anhand von wenigen Fotos wurde die Architektur des Dachstuhls Stück für Stück rekonstruiert.

Er, wie auch der damalige Feurwehrmann der FW Beinwil am See, Christoph Giger, werden dieses Ereignis sicher nie mehr vergessen. Giger, der an diesem denkwürdigen Freitag bis spät nachts im Einsatz stand, feierte nämlich tags darauf Hochzeit. Ein Stück Erinnerung an den Brand brachten auch Hansruedi und Erika Meyer mit an die Gedenkfeier. Es war ein Stück versengter Dachbalken, welchen sie Ursula Rüesch und Regula Schrag überbrachten – zusammen mit einem Gedicht «Odysee des Dachbalkens», das Erika Meyer verfasste und den Anwesenden vortrug. Nach einer Aufbauzeit von rund drei Jahren (inkl. intensiver Abklärungen und Planungen) konnte das Museum Schneggli am Freitag, 13. September 2002 wieder seinem Verwendungszweck übergeben werden. Wieder ein Freitag, der 13., der sich in diesem Fall aber von der positiven und damit erfreulichen Seite zeigte.

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