Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Matina Hämmerli … von palliativ aargau?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Wir alle möchten leben, jeden Tag bis zuletzt. Oft ist der letzte Lebensabschnitt jedoch von Unsicherheiten, Schmerzen und unnötigen Therapien geprägt. Damit diese Zeit in Würde und in der vertrauten Umgebung möglich wird, braucht es die Mitwirkung von wertvollen freiwilligen Helfern und koordinierte, professionelle Zusammenarbeit. Matina Hämmerli leitet das Projekt «Netzwerk» von palliativ aargau in unserer Region.

Frau Hämmerli, für viele ist Palliative Care immer noch ein Fremdwort. Was genau bedeutet dieser Begriff?
Pallium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Mantel. Palliative Care frei übersetzt, bedeutet umsorgende Pflege. In der Medizin versteht man darunter alle Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so eine bestmögliche Lebensqualität verschaffen. Palliative Care möchte, dass möglichst viele Menschen bei Krankheit zu Hause bleiben können, dass Menschen nicht vereinsamen, dass Schmerzen gelindert werden und Bewohner von Pflegeheimen auch seelsorgerisch gut aufgehoben sind.

Was will palliativ aargau mit dem Projekt «Netzwerk» bewirken?
Es gibt viele Institutionen und Personen, die in die Pflege und Betreuung von kranken und alten Menschen involviert sind. Diese sollen sich besser kennenlernen. Im weiteren soll die Zusammenarbeit gefördert werden und Strukturen besser genutzt werden, damit freiwillige Helfer, Angehörige und die Betroffenen informiert sind und im Bedarfsfall Ansprechpersonen kennen.

Welche Gemeinden und Organisationen werden angesprochen?
Im Prinzip sind alle Gemeinden im Aargau angesprochen, sowie alle Institutionen für die Palliative Care ein Thema ist. In diesem Pilotprojekt dabei sind bisher Menziken/Burg, Reinach/Leimbach, Mittleres Wynental, Beinwil/Birrwil und Beromünster. Man ist nun daran, eine Kerngruppe zu gründen.

Sind auch Menschen eingeladen, die gerne mitarbeiten möchten, weil sie im persönlichen Bereich Erfahrungen zu diesem Thema mitbringen?
Unbedingt! Meiner Meinung nach ist Palliative Care ein Thema für uns alle! Manche sind in der sogenannten formellen Freiwilligenarbeit tätig. Das heisst, sie sind einer Organisation wie dem Besuchsdienst Reinach, der Pro Senectute, dem SRK oder einer Betreuungsgruppe der Landeskirche angeschlossen. Manche haben einen engen Angehörigen verloren und während der Zeit der Betreuung intensive Erfahrungen gemacht. Besuche im Krankenhaus, Pflegeheim und bei Nachbarn gehören ebenso dazu.

Was geschieht an diesen Netzwerktreffen?
Wir haben die Netzwerktreffen bisher so organisiert, dass die Teilnehmer sich an Tischen zu bestimmten Fragen unterhalten, Erfahrungen einbringen, Ideen beitragen und manchmal auch schon konkrete Vorschläge für Verbesserungen der Situation vor Ort einbringen.

Gibt es Erkenntnisse auf Grund bereits stattgefundener Anlässe?
Ja, wir haben gelernt, dass ein grosser Bedarf an Information und Koordination besteht. Weder ist das umfassende medizinische, pflegerische, therapeutische und psychologische Angebot bekannt noch gibt es genügend Ansprechpersonen, die über die entsprechenden Kenntnisse verfügen und beratend tätig sein können.

Palliative Care ist nicht neu im Wynental. Was läuft denn bereits gut?
Da möchte ich erst einmal dem Spital Menziken ein Kränzli winden. Das Spital hat das Projekt sehr unterstützt und fördert den Austausch zwischen Institutionen, Freiwilligen, Pflegenden und der Öffentlichkeit. Weiterhin möchte ich den Besuchsdienst Reinach erwähnen, der unglaublich gute Dienste leistet. Da ist Anita Lanz, deren Einsatz für die Palliative Care viele kennen und die Informationsabende der reformierten Kirchgemeinde Gontenschwil/Zetzwil. Die Spitex und die Kirchen leisten hervorragende Dienste. Ich habe erfahren, dass das Wynental ein gutes Pflaster für unsere Tätigkeit ist, denn das «sich kümmern» ist hier kein Fremdwort.

Welche Gedanken beschäftigen Sie persönlich, wenn Sie an Ihre eigenes Sterben denken?
Auf einer Wanderung im Jura hatte ich einmal ein wunderbares Erlebnis. Ich lag auf einer Wiese am Waldrand und schaute in den Himmel. Plötzlich spürte ich die Erdkrümmung im Rücken, meine Arme schienen länger zu werden und umarmten den Erdball. Ich hatte das Gefühl mich aufzulösen in Partikel, die sich mit dem glitzernden Blütenstaub in der Luft vermischten. Es war eine wunderbare Erfahrung von Loslassen, Aufgehoben- und Verbundensein. So stelle ich mir das Sterben vor. Genetisch bedingt bekomme ich vermutlich ziemlich palliatives Rheuma und bin dann froh, wenn mir jemand hilft.

Wann und wo finden die nächsten Netzwerktreffen statt?
Erste Treffen für Menziken/Burg und Reinach/Leimbach haben bereits stattgefunden. Da wird demnächst die Einladung für ein Folgetreffen rausgehen. Die weiteren Treffen, die freundlicherweise alle im Spital Menziken stattfinden dürfen, sind folgende:

• Mittleres Wynental (inkl. Gontenschwil!) Donnerstag, 14. Februar 2019, 19.00 Uhr
• Beinwil/Birrwil Donnerstag, 14. März 2019, 19.00 Uhr
• Beromünster Donnerstag, 11. April 2019, 19.00 Uhr