Druckschluss: 1. Mittwoch des Monats, 08.00 Uhr

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Kennen Sie Max Kohler … vom Entsorgungsplatz?

Text und Bild: Elsbeth Haefeli

Seit mehreren Jahren trifft man Max jeden Mittwochnachmittag am Zetzwiler Entsorgungsplatz. Er wirkt wie ein Gastgeber an dem Ort, an welchem wir gerne allerlei Unnützes aus unserem Haushalt entsorgen. Er bietet jederzeit seine helfende Hand und wenn man sich auf einen Schwatz mit ihm einlässt, merkt man, dass dieser Mann einiges zu erzählen hätte.

Max, was bringt dir die Arbeit am Entsorgungsplatz, abgesehen von etwas Taschengeld?
Da ich unter der Woche eher zurückgezogen lebe, geniesse ich die Kontakte. Das Wetter ist dabei laufend ein Thema. Zum Glück kann ich nicht eingreifen, sonst würde der Tag nicht reichen um allen das gewünschte Wetter zu bieten (schmunzelt).

Welches sind die grösseren Herausforderungen während deiner Aufsicht am Platz?
Die zu entsorgenden Materialien sind manchmal auch für mich nicht einfach zu definieren. Die Frauen «gspröchle» darüber mit mir. Die Männer versuchen mich abzulenken, um ihren Müll unbeobachtet loszuwerden.

Womit kann man dir bei der Arbeit eine Freude machen?
Indem man die Tafeln besser beachtet und die Altmetallteile nach Möglichkeit von Fremdmaterialien trennt.

Gibt es ein besonderes «Entsorgungsplatzerlebnis»?
Ja, kürzlich kam ein Mann mit einer grossen zugeklebten Schachtel zum Entsorgungsplatz. Als ich ihn fragte, ob es Styropor drin habe, sagte er, das wisse er nicht. Als ich nachschaute, hatte es überhaupt nur Styropor drin.

Du bist immer wieder weit gereist in den letzten Jahren. Wie sehen deine Pläne für dieses Jahr aus?
Meine Partnerin aus Zürich und ich verbringen unsere Ferien abwechselnd in der Schweiz, im Südtirol, auf den Kanaren oder mit Flussfahrten. In Ridgetown am Eriesee, Kanada, habe ich Verwandte. Sie haben immer ein freies Bett für mich bereit. Von da aus unternehme ich auch mal allein mit dem Camper ausgedehnte Reisen nach Calgary und bis nach Alaska. Auf diesen Trips bin ich oft über achttausend Kilometer weit unterwegs.

Hast du etwas verpasst in deinem Leben?
Das Handicap meines Lebens hat mich schon früh ausgebremst. Mit sieben Jahren litt ich unter einer akuten Hüftgelenksentzündung, die man zu jener Zeit nicht richtig behandeln konnte. Nach meinem Lehrabschluss 1962 als bester Bauschreiner des Kantons hätte ich die Möglichkeit gehabt, nach Kanada auszuwandern. Aber die zunehmenden Hüftbeschwerden und die darauf folgenden Operationen drängten eine Umschulung auf und so blieb dieser Wunschtraum unerfüllt.

Welches war deine beste Zeit?
Das war als ich 1970 nach meiner Zusatzlehre als Hochbauzeichner in einem Architekturbüro arbeitete. Wir waren ein tolles Team mit interessanten Aufgaben. Aber alle Lebensabschnitte hatten ihre Hochs und Tiefs. Umfallen ist nicht verboten, Liegenbleiben aber schon. Man muss einfach nach jeder Krise wieder aufstehen!

Wo oder wobei fühlst du den totalen Frieden in dir?
Dazu fallen mir Momente in der kanadischen Wildnis ein. Das Beobachten eines Schwarzbären und seinen zwei Jungen, sowie ein Erlebnis mit Bisons, lösen in mir ein solches Gefühl aus. Aber auch die dreissig Jahre Mitarbeit im Operettenchor waren für mich eine grosse Befriedigung.

Welches sind für dich Helden der Gegenwart?
Das sind Menschen, die die problematische Situation unserer Gesellschaft erkannt haben. Leider haben sie oft nicht den Mut, laut genug zu rufen.

Was bereitet dir Sorgen, wenn du an die Zukunft denkst?
Der Umgang mit unseren noch vorhandenen Rohstoffen. Ich hoffe, dass die Zeit noch reicht, umzudenken und zu handeln. Ich selber habe ein GA und ich habe meine Autokilometer auf etwa ein Drittel von früher reduziert.

Wenn du das Rad der Zeit zurückdrehen könntest, in welche Zeit würdest du gerne reisen?
Ich würde zurück in meine Schulzeit reisen und fleissiger lernen, als ich es als Kind verstand und tat. Denn irgendwann muss man das Versäumte nachholen.