lehrstellen

Ein kleiner Blick in die Zukunft von Schongau

Text: Graziella Jämsä

Was braucht ein Mensch zum Leben? Wohnraum, eine Schule, Sicherheit, Natur wie Verkehr sollen im Einklang sein. Eine helfende Hand soll im Falle von Unwägbarkeiten Unterstützung sein. Fünf Gemeinderäte setzen sich dafür ein – fünf Gespräche über das Jahr 2022.

 2022 01 gemeinderat

Thierry Kramis
Was Thierry Kramis sich fürs kommende Jahr vorgenommen hat, ist nicht neu, dafür umso herausfordernder. Er arbeitet daran, gemäss Vision 2030 die analoge Welt Schongaus mit der digitalen in Einklang zu bringen, denn es handelt sich nicht um zwei verschiedene Welten, sondern um ein- und dieselbe Welt. Werte und Prinzipien aus dem «echten» Leben sollen in beiden Dimensionen gelten, doch diese geraten in der digitalen Welt zunehmend unter Druck, vor allem auch was die digitale Souveränität betreffe. Gehe es um Lebensmittel, sei ein regionaler Einkauf selbstverständlich. «Das macht auch in technischer Hinsicht oft Sinn», findet Thierry Kramis. Gerade während der Pandemie habe sich gezeigt, dass die Abhängigkeit vom Ausland zunehme. Physische Grenzen seien ein Wunsch der Menschen, jedoch sei deren Durchsetzung im Digitalen heute oft nicht gegeben: «Die Feuerwehr hat auch schon erkannt, dass es krisensichere Wege braucht, die immer funktionieren und in Eigenverantwortung betrieben werden: Das muss der Staat auf allen Ebenen nachvollziehen.» Gleichzeitig sei die Sicherheit der Daten der Bürgerinnen und Bürger oberste Priorität.

In Schongau hat man in den vergangenen fünf Jahren viel für die technische Krisenresistenz und die Sicherheit der Systeme und Daten getan. «Das wird auch weiterhin ein starker Fokus bleiben, auch wenn das manche als idealistisch klassieren würden. Die Digitalisierung endet nicht. Die Herausforderung, Bestehendes und Neues konstruktiv aber klug zu verschmelzen, bleibt», betont Thierry Kramis bewusst. «Darum sind die Gespräche darüber so bedeutsam. Wir müssen alle verstehen, dass wir da nicht stehen bleiben können.»

 

Ivo Gerig
Ivo Gerig betreut das Ressort Gesundheit und Soziales. «Ich habe mir für 2022 drei Eckpfeiler gesetzt», erklärt er. «Den Blick über die Schonger Grenzen hinaus zu weiten.» Das könne bedeuten bis zur nächsten Gemeinde, auf den Kanton oder auch die Schweiz als solches. «So lerne ich, mein privilegiertes Umfeld immer wieder aufs Neue schätzen. Und diese positive Sichtweise lasse ich gerne in Gespräche einfliessen.» Womit er schon beim zweiten Eckpfeiler, dem Dialog angekommen sei. «Zum einen bezieht sich das auf Organisationen und Institutionen wie Spitex, Chrüzmatt oder dem Zenso-Hochdorf.» Zum anderen sei es der Kontakt von Mensch zu Mensch. Mit einem Lächeln fügt er hinzu: «Also von Schonger zu Schonger.» Dabei gehe es öfter über reine Befindlichkeiten hinaus. «Wie geht man damit um, wenn die Eltern aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu Hause leben können? Finanzielle Auswirkungen einer Scheidung, eines Jobverlustes – das Leben bringt viele Fragen mit sich.» Selbstverständlich könne er die Probleme nicht einfach lösen. «Aber ich kann zuhören, vermitteln, Strukturen erklären, Kontakte herstellen.» Damit sei er bei seinem dritten Eckpfeiler angelangt. «Es geht um Hilfe. Ich würde mir wünschen, dass um Hilfe bitten beziehungsweise auch Hilfe annehmen, nicht als Makel gesehen werden.» Kein Mensch komme für sich allein durchs Leben. «Die Kraft liegt im Gemeinsamen.» 

Ruth Keller
Als Ressortverantwortliche Bildung und Kultur hat Ruth Keller im vergangenen Jahr einiges mit Corona zu tun gehabt. «Im Bereich Bildung war das Homeschooling die grosse Herausforderung. Zum einen die Organisation währenddessen. Zum anderen der Unterricht danach.» Lehrerschaft wie Kinder hätten sich erst wieder in den Alltag einfinden müssen. Ruth Keller hält einen Moment inne, bevor sie weiterspricht. «Aber auch die Vereine kämpften mit den Einschränkungen.» So viele Traditionen des Dorflebens habe man vermissen müssen. «Umso mehr freue ich mich, wenn ich sehe, was fürs kommende Jahr geplant ist. So viele tolle Ideen, die Vereine zeigen so viel Energie, dass man sich von Herzen wünscht, dass alles stattfinden kann.» Das gelte gleichermassen für die Schule. «Da mussten Projekttage, Lager, Wanderungen und sogar der Zirkus verschoben werden. Dass diese Bereicherungen realisiert werden können, das wünsche ich mir für Kinder und Lehrerschaft im 2022.» Nicht zu vergessen die Chilbi, für welche Schule und Vereine zusammenarbeiten.» Ruth Keller denkt positiv. «Wir können 2022 zu einem Jahr des Miteinanders machen. Einfach aufeinander zugehen, zusammen das Dorfleben gestalten. Und dann das Glück geniessen, das wir haben.»

 

Melanie Casanova
Im Ressort Verkehr, Sicherheit, Umwelt und Energie stehen 2022 zwei konkrete Projekte auf dem Plan. «Ich freue mich auf den Baustart zum neuen Werkhof.» Dass dieser ganz nah, nämlich neben dem heutigen Feuerwehrmagazin, entstehe, sei für Schongau ein grosser Vorteil. «Das zweite ist die Realisierung der neuen Bushaltestelle Oberschongau.» Damit werde ein Schlusspunkt unter die Pendenz, die man vormals als Wendeschlaufe behandelt hatte, gesetzt. «Seit Fahrplanwechsel Mitte Dezember fährt der Bus neu über Guggibadstrasse/Oberschongauerstrasse und hält in der Provisorium-Phase am Bordstein beim Brunnen.» Melanie Casanova ist sich bewusst, dass in anderen Gemeinden eher Männer «ihr» Ressort innehaben. «Ein spannender Aspekt, denn ich habe in den vergangenen Jahren unglaublich viel Neues gelernt. Die Ergebnisse der Arbeit sind sehr greifbar. Von der Frage der Maskenbeschaffung bis zur Sicherstellung der Wasserqualität.» Sie habe hinter die Fassade der Selbstverständlichkeiten geschaut. «Darum mein Wunsch für 2022: Lasst uns Sorge tragen zur Natur, zu all dem, was wir haben.» Ein kritischer Geist sei etwas Gutes, wenn er mit Bedacht eingesetzt werde. «Denn dann können wir mit viel mehr Zufriedenheit all die vielen kleinen Sachen in unserer Umgebung wertschätzen.»

Adrian Bütler
Im Ressort Bauwesen von Adrian Bütler geht es 2022 um den Abschluss eines grossen Projektes. «An der Frühlings-Gemeindeversammlung soll die Gesamtrevision der Ortsplanung zum Beschluss vorgelegt werden, um dann durch den Regierungsrat genehmigt zu werden.» Daran habe schon sein Vorgänger gearbeitet. «Ich selbst bin quasi in der Mitte dazugekommen. Wenn ich da nicht die entsprechende Unterstützung gehabt hätte, wäre das sehr schwer zu stemmen gewesen.» Überhaupt ist Zusammenarbeit das Stichwort für Adrian Bütler. «Im Bauwesen sind sehr viele unterschiedliche Komponenten zu beachten – von Gestaltungsrichtlinien bis Sicherheitsfragen. Was man aber niemals vergessen darf, es geht um den Lebensraum von Menschen. Das ist etwas sehr Persönliches. Darum braucht es für konstruktive Lösungen ein respektvolles Miteinander.»
Dafür setzt sich Adrian Bütler auch überregional ein. «Ich bin Mitglied im Netzwerk Lebensraum der IDEE SEETAL.» Das sei aus verschiedensten Gründen spannend. «Jede Gemeinde hat eigene Bedürfnisse. Wenn die bisherigen Lösungen nicht mehr greifen und man Synergien nutzen will, muss man sich erst einmal kennenlernen.» Das stärke eine Region auch in der Kommunikation mit dem Kanton. «Und es macht Freude zu sehen, wie man mit kreativen Lösungen, das Schöne vor der Haustür bewahren kann.»

 

 

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