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Was ein Detektiv mit einer Abstimmung zu tun hat

Text und Bild: Graziella Jämsä

Ende Monat steht ein Krimi auf dem Programm. Am 28. November kommen die «Pflegeinitiative», die «Justiz-Initiative und das «Covid-19-Gesetz» vors Volk. Zur Einstimmung ein Blick hinter die Kulissen der vergangenen Abstimmung.

26. September, Sonntagmorgen kurz vor 10 Uhr. Gemeindepräsident Thierry Kramis stellt im Eingangsbereich des Mehrzweckgebäudes die Urne auf. Schon bald stehen die ersten Schongerinnen und Schonger vor der Tür. «Lieber in den Briefkasten oder gleich in die Urne?» «Lieber gleich in die Urne.» Thierry Kramis nimmt die Stimmrechtsausweise entgegen und wirft einen Blick darauf, um zu prüfen ob alles seine Richtigkeit hat. «Bei einer Abgabe vor Ort lässt sich die Unterschrift, falls vergessen, noch durch den Bürger oder die Bürgerin ergänzen.» Anders ist es bei postalisch zugestellten Unterlagen. Fehlt dort die handschriftliche Identifikation, zählt die Stimme nicht. Dabei ist «Identifikation», wie sich später zeigen wird, nicht der richtige Begriff.

Die halbe Stunde an der Urne ist schnell vorbei. Kuverts und Stimmrechtsausweise wandern in den gemeinderätlichen Sitzungsraum im 1. Stock. Dort sind die Urnenbüromitglieder Rita Haas, Heidi Barrett-Bättig und Thomas Erzinger bereits bei der Arbeit und werden unterstützt von Gemeindeschreiber-Stv. Marlène Möri. Erst werden die grauen Antwortkuverts gezählt, geöffnet sowie in Stimmrechtsausweise beziehungsweise Stimm- und Wahlkuverts aufgeteilt. Fehlende Unterschriften machen schon die ersten ungültig. Auch wenn die Abstimmungszettel nicht im verschlossenen Kuvert sind, zählen sie nicht. «Sonst könnte man ja, wenn man wollte, nachvollziehen, wer was abgestimmt hat», merkt Heidi Barrett-Bättig an. Es gehe um Erfassung, nicht um persönliche Zuordnung beziehungsweise Identifikation. Die Vielzahl der zu prüfenden Details, das wiederholte Zählen und der Vergleich der Ergebnisse wirken auf einen Aussenstehenden im ersten Moment vielleicht langweilig. Man könnte es aber auch als Recherche betrachten. Die Mitarbeitenden des Urnenbüros klären, Detektiven ähnlich, welches Gesetz die Zukunft bestimmen darf. Ein Gesetz als Täter? Ja, hier hinkt der Vergleich mit dem Krimi etwas. Dennoch spielen unterschiedliche Interessen mehrerer Beteiligter sowohl bei der Entstehung wie bei der Durchsetzung der Gesetze eine Rolle. Das Wort Abstimmungskampf kommt nicht von ungefähr.

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Das Gute: Alle Schweizerinnen und Schweizer können mitwirken. Der Abstimmungsvorgang ist einfach: Graues Kuvert auf, Stimmzettel raus, Info-Unterlagen links, Stimmrechtsausweis unterzeichnen (zur rechten Seite aufs graue Kuvert legen), Stimmzettel ausfüllen ins kleine grüne Kuvert legen, zukleben, zusammen mit dem Stimmrechtsausweis wieder ins grosse Kuvert, zugemacht und ab in den Briefkasten beim Gemeindehaus. Nichtsdestotrotz hätte die Beteiligung auch in Schongau noch Luft nach oben. Über mögliche Anreize ist im Sitzungsraum diskutiert worden. Von Apéro über kleine Geschenke bis zu Strafzahlungen habe man von anderen Gemeinden schon gehört. «Die Lösung» wird an diesem Morgen nicht gefunden. Die Stimmbeteiligung liegt bei 49,2 Prozent.

Die Aufklärung des nächsten Krimis steht am 28. November an. Die Unterlagen liegen bereit. Klar ist: Je mehr Mitspieler desto spannender. Für Spätentschlossene steht die Urne am Tag selbst ab 10 Uhr bereit.

 

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