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Jubilarin Heidi Müller mit ihrer Tochter Edith Ottiger im Alterszentrum in Niederuzwil.

Heidi Müller wurde am 21. September 100 Jahre alt

Text und Bild: Patrick Tepper

Einen grossen Teil ihres Lebens hat Heidi Müller in Teufenthal verbracht. Am 21. September durfte sie im Alterszentrum Niederuzwil in der Nähe ihrer Tochter Edith Ottiger ihren 100. Geburtstag feiern. Für das Dorfheftli blickt die rüstige Jubilarin auf ein arbeitsreiches Leben im Mittleren Wynental zurück und erinnert sich an viele Begebenheiten.

Geboren und aufgewachsen ist Heidi Müller auf dem Rütihof ob Gränichen, als drittes von insgesamt fünf Kindern. «Mein Vater arbeitete in der Fabrik und zu Hause hatten wir einen ganz kleinen Bauernhof, der die Familie ernährte. Meist hatten wir eine Kuh und ein Kalb, manchmal ein Rind sowie ein Schwein. Etwas Getreide wurde angebaut, dazu Kartoffeln und es gab einen Pflanzgarten», erinnert sich Heidi Müller an die karge, aber glückliche Zeit ihrer Kindheit. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie als Hilfskraft in der Schuhfabrik Fretz in Aarau. «Mit 17 Jahren konnte ich einen Kochkurs in Gränichen besuchen. Mein Vater holte mich jeweils um 22 Uhr ab, weil ich Angst hatte, alleine durch den Wald nach Hause zu gehen.» Bald lernte sie ihren künftigen Mann kennen. Ende September 1943 heiratete sie Iwan Müller vom Wannenhof. «Iwan bekam drei Tage Urlaub, es war ja noch Kriegszeit.» Ihre erste gemeinsame Wohnung richteten die beiden in Oberentfelden ein, während Heidi Müller bei der Firma Fellmann in Schöftland im Akkord an der Bügelpresse für Herrenhemden arbeitete. «Die Arbeitszeit von Montag bis Samstagmittag betrug 52 bis 54 Stunden. Das Mittagessen konnte in der fabrikeigenen Kantine eingenommen werden – es gab Suppe und ein Stück Brot. Während der Mittagspause wurde viel miteinander geredet, nicht wie heute, wo jeder in sein Handy schaut», fallen Heidi Müller die Unterschiede zur heutigen Zeit auf. Im Jahr 1946 zügelte das Ehepaar nach Teufenthal in eine 3-Zimmer-Wohnung beim «Urech Göpf», am Standort des Gebäudes der heutigen Arztpraxis. 1947 kam die erste Tochter Käthi zur Welt. Mit Hilfe der Firma Zehnder, wo Iwan Müller arbeitete, konnte die Familie sich 1948 das «Briefträgerhüsli» in der Schlossgasse kaufen. «Schon bald begann ich mit Heimarbeit für die Textilfabrik Bischof in St. Gallen. Diese suchte Frauen, die Taschentücher von Hand rollten. Fast jede Woche kam ein Paket aus der Ostschweiz, darin waren mehrere Rollen Taschentücher, die erst zugeschnitten und dann rolliert werden mussten», erinnert sich Heidi Müller an die Heimarbeit, die sie 21 Jahre lang ausführte.

Heidi und Iwan Müller halfen in ihrer Freizeit auf verschiedenen Bauernhöfen im Dorf, wenn Not am Mann war. «Dadurch erhielten wir Obst, Kartoffeln, Suppenhühner, manchmal etwas Milch und wenn eine Hausschlachtung anstand, ab und zu einmal Fleisch. Auch Kaninchen wurden gehalten, dadurch hatten wir am Sonntag fast immer Fleisch, während der Verdienst unter der Woche meist nicht für Fleisch reichte.» 1957 kam Tochter Edith zur Welt, als Hausgeburt, denn die Hebamme, Schwester Trudi, wohnte ebenfalls in der Schlossgasse. 1960 wurde das «Briefträgerhüsli» verkauft und erneut mit Hilfe der Firma Zehnder konnte ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus in der damaligen Grossmatt gekauft werden. «Erst als ich 50 Jahre alt wurde, gingen wir erstmals auf die Rigi in die Ferien», war dieses Erlebnis prägend im arbeits­reichen Alltag.

«1975 verlor ich meinen Ehemann durch ein Krebsleiden, fand aber bei Elektro Dumont sofort eine Teilzeit-Anstellung im Haushalt. Bei meinem späteren Lebenspartner half ich, so lange er noch einen Bauernhof hatte, tatkräftig mit. Leider verlor ich auch ihn im Jahr 2003 durch einen Unfall», gab es durchaus grosse Schicksalsschläge im Leben von Heidi Müller. Dazu gehören auch der Tod ihrer älteren Tochter und des Schwiegersohns, die in den Jahren 2001 und 2000 ebenfalls an Krebs verstorben sind. «Meine Mutter rappelte sich immer wieder auf, sah die positiven Seiten des Lebens und wohnte von 2003 bis 2017 in der Hubelmatt», freut sich Tochter Edith Ottiger über die bis heute positive Lebenseinstellung ihrer Mutter. Mit 96 Jahren machte sich das Alter immer mehr bemerkbar und der Eintritt ins Alterszentrum wurde unumgänglich. In Niederuzwil, in der Nähe ihrer Tochter, hat sie sich gut eingelebt, auch wenn sie den Aargau ab und zu etwas vermisst. Doch auch Teufenthal hat sich verändert: «Im Laufe der Jahre nahmen die Neubauten zu, die Einkaufsmöglichkeiten stark ab. Früher gab es immer vier bis fünf Restaurants, Bäckereien, diverse Lebensmittelläden, ein Modegeschäft, einen Schuhladen, einen Laden für Stoffe und Fäden, ein Teppich- und Vorhanggeschäft, eine Gärtnerei und eine Schmitte. Nicht zu vergessen die Stumpenfabrik und die Injecta.» Durch die Witwenrente und die AHV stand ihr etwas mehr Geld zur Verfügung, wodurch vermehrt Reisen und Ausflüge möglich wurden. «Dass es diese beiden Einrichtungen gibt, dafür war und bin ich sehr dankbar», freut sich Heidi Müller.

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