lehrstellen

Sagen aus Zetzwil und Umgebung

Mauerhubel bei Zetzwyl

Wenn das Getreide im Juli ringsum noch grün ist, so sieht man es auf dem Mauerhubel schon in ganz gelben Streifen von der Breite einer Heerstrasse stehen. Und weil man da auch viele Scherben, Ziegel und Mosaikstücke aufgepflügt hat, so meint man, hier müsse eine handelsstrasse durchgeführt haben, und an diesen Stellen lägen die alten Kaufmannsgüter versunken. Drum wollten schon vor vielen Jahren einge Männer diesen Schatz erheben. Sie mussten besondere Haselstöcke dazu haben, keiner durfte ein Wort sprechen. Als nun die Kiste sammt dem schwarzen Pudel, der darauf sitzt, heraufrückte und die Grabenden eben alles mit einem letzten Zug aus dem Loche heben wollten, dachte der Wolffriedli seinen Kameraden noch einmal Muth zu mache und sprach: «nu chäch, no einist früsch i d'Händ g'speutzt!» Sogleich verschwand die Truhe wieder in die Tiefe.

(nach Rochholz, Schweizer Sagen)

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Der ausgebrochene Knochen vor Gericht

Einst wurde zwischen den Dörfern Gontenschwil und Zetzwil ein toter Mann auf der Strasse gefunden, der alle Spuren eines gewaltsam erlittenen Todes an sich trug. Als man dem vergebens nachgeforscht hatte, kam man auf den Einfall, der Leiche einen Knochen auszubrechen, und ihn an den Zug der Schlossglocke zu Lenzburg zu hängen, wo jeder läuten musste, der beim Landvogt Recht oder Almosen suchte. Lange Jahre war der Knochen zwecklos so angebunden gewesen, als einmal ein bettelnder Greis die Schelle zog und plötzlich darüber mit Blut bespritzt war. Er wurde verhaftet und gestand, in seiner Jugend jenen Mann angefallen und ermordet zu haben.

Quelle: Deutsche Volkssagen. Hg. v. Leander Petzoldt, 2. Aufl. München 1978, S. 67

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